Die verbreitete Ansicht, dass Kraftstoff übermäßig kostspielig sei, ist unzutreffend. Betrachtet man den Preis pro Liter Benzin im direkten Vergleich zu alltäglichen Getränken wie Mineralwasser, Milch, Kaffee, Bier oder Fruchtsaft, offenbart sich, dass Benzin objektiv gesehen äußerst preiswert ist. Dies ist maßgeblich darauf zurückzuführen, dass ein erheblicher Anteil der durch motorisierten Individualverkehr verursachten externen Kosten – darunter Klimawandel, Luftverschmutzung, gesundheitliche Beeinträchtigungen, Schäden an der Infrastruktur und Lärmbelästigung – nicht im Verkaufspreis enthalten ist. Wären diese Folgekosten im Preis inbegriffen, würde der Liter Kraftstoff nicht etwa zwei Euro, sondern mit Leichtigkeit vier Euro kosten. Es stellt sich daher die Frage, weshalb ein Produkt, dessen Verbrennung unsere Umwelt schädigt, unsere Lebensgrundlagen gefährdet und unsere Gesundheit beeinträchtigt, zusätzlich subventioniert werden sollte. Ein solches Vorgehen ist sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht vollkommen widersinnig. Der sogenannte „Tankrabatt“ fördert auf unnötige Weise die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen, belastet die Steuerzahler mit Milliardenbeträgen, die an anderer Stelle – beispielsweise zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs oder für energetische Gebäudesanierungen – dringend benötigt würden. Er untergräbt sämtliche Klimaschutzziele und begünstigt überwiegend jene Personen, die sich ein Fahrzeug und die damit verbundenen Fahrten ohnehin leisten können. Die Tatsache, dass einige Geringverdiener unter den Berufspendlern davon profitieren, rechtfertigt keineswegs eine pauschale Subventionierung eines umweltschädlichen Produkts für die gesamte Gesellschaft. Für Personen mit geringerem Einkommen existierten weitaus durchdachtere Unterstützungsmechanismen. Man könnte beispielsweise das Mobilitätsbudget im Rahmen des Hartz-IV-Satzes anheben oder das Wohngeld für Pendler in ländlichen Gebieten erhöhen, um nur zwei sinnvolle Alternativen zu nennen. Sollte die Politik tatsächlich beabsichtigen, gegen die scheinbar hohen Kraftstoffpreise vorzugehen, wäre es ratsamer, die Milliardenbeträge nicht für eine Steuersenkung zu verwenden, sondern diese stattdessen in den zügigen und umfassenden Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs sowie der Radverkehrsinfrastruktur zu investieren. Die momentanen Preisentwicklungen stellen eine Gelegenheit dar, eine längst überfällige Verhaltensänderung herbeizuführen – zum Wohle der gesamten Gemeinschaft.