Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat sich im Rahmen der Diskussionen um eine potenzielle deutsche Kandidatur für die Olympischen und Paralympischen Spiele positioniert. Sie bezeichnet dies als eine „einzigartige Gelegenheit“ für die Rhein-Region sowie für ganz Deutschland und kritisiert dabei die weit verbreitete deutsche Einstellung gegenüber umfassenden Vorhaben. „In Deutschland tendieren wir dazu, stets ablehnend zu reagieren, Mängel zu suchen und Risiken unverhältnismäßig stark hervorzuheben“, so Reker gegenüber der „Kölnischen Rundschau“. Sie fügte hinzu: „Dabei sind wir fähig, Großprojekte erfolgreich umzusetzen. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006, die international viel Lob erntete, ist der Beweis dafür. Wir sind dazu in der Lage, und ich bin überzeugt, dass wir es auch diesmal schaffen werden.“ Anfang des Jahres hatten Köln und Düsseldorf, zwei zentrale Städte des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, ihr Interesse an einer gemeinsamen Ausrichtung der Sommerspiele – entweder 2032 oder zu einem späteren Zeitpunkt – kundgetan. Eine vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie hatte im April die prinzipielle Eignung einer deutschen Bewerbung bestätigt. Eine finale Entscheidung über eine tatsächliche Kandidatur steht allerdings noch aus. Reker präzisierte, dass ihre Initiative eine „Olympische Vision NRW“ darstelle, deren Horizont weit über das Jahr 2032 hinausreicht. Sie betonte, dass diese nicht vordergründig als eine Kandidatur für 2032 missverstanden werden sollte, sondern vielmehr als eine langfristige regionale Perspektive, die auf eine zukünftige Olympiade abzielt. Die parteilose Politikerin äußerte ihre feste Überzeugung, dass „Deutschland mit der Fülle an Sportstätten und der nötigen Infrastruktur eine unvergleichliche Grundlage besitzt, die bei Olympischen Spielen von Vorteil sein kann.“ Das zugrunde liegende Konzept sieht vor, hauptsächlich existierende Sportstätten und Veranstaltungsorte zu verwenden und Neubauten lediglich dann zu realisieren, wenn dies „nachhaltig und verantwortungsbewusst“ geschehe. Dies sei, so Reker, ein entscheidender Faktor für die „notwendige Akzeptanz in der Bevölkerung“. Reker mahnte davor, sich von der Angst vor umfangreichen Projekten leiten zu lassen, die bereits bei der Elbphilharmonie oder dem Flughafen BER zu erheblichen Schwierigkeiten geführt hätten. Sie konstatierte: „Sollten wir in Deutschland unsere Neigung zu Kritik und Ablehnung weiterhin kultivieren, werden wir künftig lediglich noch die Großbaustellen unserer Nachbarländer besuchen können, die den Mut zu solchen Unternehmungen aufbringen.“ Die Ausrichtung der Spiele würde für Köln und Nordrhein-Westfalen eine „immense Möglichkeit“ darstellen. „Allein der Imagegewinn, die ökonomischen Impulse, sowie die Investitionen in die Infrastruktur und den sozialen Sektor würden sich über Dekaden hinweg bezahlt machen“, erklärte die Oberbürgermeisterin.