Manche Bauwerke bestehen lediglich aus Beton, Stein und Glas, doch andere scheinen auch nach langer Zeit noch von ihren einstigen Bewohnern belebt zu werden. Sie hinterlassen unsichtbare Spuren, die dennoch tief empfunden werden können. Ich befand mich kürzlich in einem solchen "Spukhaus", einem ehemaligen Kinderheim, das ich über Jahre hinweg mein Zuhause nannte. Obwohl keine sichtbaren Andenken an die ehemaligen Bewohner mehr existierten, erfüllte der Ort eine Atmosphäre voller Stimmen, Lachen, aber auch Angst, Verzweiflung, Wut und Traurigkeit. All die Belastungen, die wir Kinder in unserer viel zu kurzen Kindheit zu bewältigen hatten, waren dort noch spürbar. Dies umfasste unsere Furcht vor den Schlägen der Erzieher, die tiefe Sehnsucht nach unseren Eltern, die wir nur selten sahen, und das unendliche Warten auf Zuneigung und Geborgenheit. Viele meiner damaligen Mitbewohner konnten mit dieser Kindheit nicht umgehen und zerbrachen an den damaligen Verhältnissen. Andere hingegen kämpften sich durch, entwickelten Stärke und nahmen ihr Leben selbst in die Hand. Was mich betrifft, so fühlte ich mich für einen kurzen Augenblick wieder wie das kleine Mädchen, das einst an der Hand ihrer Mutter das erste Mal dieses Heim betrat. Ich erschrak, als die Tür hinter mir ins Schloss fiel, und mir wurde kalt, obwohl die Sonne hell durch die alten Fenster schien. Diesen Gänsehaut-Moment widme ich heute Abend dem Stück "Der Geist im Haus", einem meiner bevorzugten Lieder. Der Geist im Haus – das sind die Geister der Kindheit, unsere Erinnerungen an das Vergangene. Diese können mal gut, mal schlecht, mal traurig, mal lustig, mal laut, mal leise, mal hell, mal dunkel sein – doch sie sind stets präsent.