Die Ukraine hat den Transport von russischem Rohöl über den südlichen Strang der Druschba-Pipeline in die EU-Mitgliedstaaten Ungarn, Slowakei und Tschechien unterbrochen. Diese Entscheidung Kiews löst in Brüssel Irritationen aus. Die ukrainische Regierung nutzt die Blockade als Druckmittel, um die Europäische Union zu einer Ausweitung ihrer Sanktionen gegen russische Akteure im Zusammenhang mit dem Öltransit zu bewegen. Konkret fordert Kiew, dass die EU den russischen Pipelinebetreiber Transneft und dessen Geschäftsführer Nikolay Tokarev sowie die in Ungarn ansässige Internationale Investitionsbank (IIB), die russische Verbindungen aufweist, auf ihre Sanktionsliste setzt. Obwohl die EU umfangreiche Sanktionen gegen russisches Rohöl, das auf dem Seeweg transportiert wird, verhängt hat, wurden Lieferungen über Pipelines explizit ausgenommen. Diese Ausnahme wurde maßgeblich auf Drängen Ungarns, unter Führung von Ministerpräsident Viktor Orbán, durchgesetzt, da das Land stark von diesen Importen abhängig ist. Aus ukrainischer Sicht untergräbt die Fortsetzung des Pipeline-Öltransits die Effektivität der EU-Sanktionen und verschafft Russland weiterhin Einnahmen, die zur Finanzierung des Krieges verwendet werden könnten. Kiew argumentiert, dass die EU diese Sanktionslücke schließen muss. Die direkt betroffenen Mitgliedstaaten, insbesondere Ungarn, sind stark von den Lieferungen durch die Druschba-Pipeline abhängig und äußern sich besorgt über die Unterbrechung des Transports. Durch diese Maßnahme zwingt die Ukraine die Europäische Union, sich erneut mit der Sensibilität von Energiesanktionen und den Abhängigkeiten spezifischer Mitgliedstaaten auseinanderzusetzen. Der nördliche Strang der Druschba-Pipeline, der Öl nach Polen und Deutschland liefert, ist von der Blockade nicht betroffen, da beide Länder bereits zugesagt hatten, den Bezug russischen Öls eigenständig einzustellen.