Julian Nagelsmann fordert größere Offenheit bezüglich Homosexualität im Profifußball
Julian Nagelsmann hat sich nachdrücklich für eine größere Offenheit bezüglich des Themas Homosexualität im Profifußball positioniert. Der Coach des deutschen Rekordmeisters Bayern München betonte am Sonntagabend in der BR-Sendung „Blickpunkt Sport“, dass in der heutigen Zeit, in der der Fußball eine enorme globale Reichweite besitzt, jeder Einzelne die Chance erhalten sollte, authentisch zu leben und sich uneingeschränkt zu entfalten.
Die Entscheidung eines Spielers, seine sexuelle Orientierung öffentlich zu machen, sei eine „äußerst private Angelegenheit, bei der man jede Person vollkommen respektieren und unbeeinflusst lassen muss“, hob Nagelsmann hervor. Allerdings fügte er hinzu: „Wenn ein Spieler sich dazu entschließt, braucht er ein unterstützendes Umfeld, das ihn absichert.“
In verschiedenen Sportarten, wie beispielsweise im Volleyball, sind öffentliche Coming-outs inzwischen weit verbreitet. „Hier hinkt der Fußball meiner Meinung nach etwas hinterher“, äußerte der 35-jährige Trainer. Er ergänzte, dass sich die Gesellschaft insgesamt so weit entwickelt habe, dass dies eigentlich kein strittiges Thema mehr darstellen sollte.
Er vermutet jedoch auch, dass die zögerliche Haltung vieler Spieler, sich zu outen, auf die Befürchtung negativer Reaktionen aus der Öffentlichkeit zurückzuführen ist. Nagelsmann erklärte: „Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), die Vereine, die Trainer sowie die Teamkollegen tragen die Verantwortung, einen solchen Spieler zu schützen und ein Umfeld zu schaffen, in dem er sich sicher und geborgen fühlt.“
Marcus Urban, ein ehemaliger Fußballer, der seine Homosexualität erst nach Beendigung seiner Profikarriere öffentlich machte, teilte in der Sendung seine persönlichen Erlebnisse. Er hatte zuvor mehrfach geäußert, dass er während seiner aktiven Laufbahn unter anderem um seine berufliche Zukunft besorgt gewesen sei.
Nagelsmann sieht diese Gefahr weiterhin bestehen. „Man gewinnt den Eindruck, dass viele Fans durchaus tolerant sind, solange es nicht den eigenen Spieler betrifft. Genau hier liegt ein potenzieller Schwierigkeitspunkt“, merkte Nagelsmann an. „Ich wünsche mir eine Entwicklung, in der jeder Mensch die Freiheit besitzt, so zu leben, wie er wirklich ist.“