Jana Hensel stellt fest, dass sich die deutsche Demokratie in einer tiefgreifenden Krise befindet, was sich im Aufstieg der AfD deutlich zeigt. Sie ist der Auffassung, dass eine bloße Verurteilung der AfD nicht ausreicht; vielmehr müsse man die tieferliegenden Ursachen dieser Entwicklung ergründen. Hensel legt nahe, dass der Wandel der SPD von einer traditionellen Arbeiterpartei hin zu einer Partei, die sich zunehmend an die Mittelschicht richtete – insbesondere während der Ära Schröder mit Reformen wie der Agenda 2010 – ein entscheidender Faktor ist. Diese strategische Neuausrichtung führte zur Entfremdung ihrer angestammten Wählerbasis. Einst die Verfechterin der Arbeiterklasse und der sozialen Gerechtigkeit, verlor die SPD ihre direkte Verbindung zu diesen Wählerschichten. Sie versäumte es, deren wirtschaftliche und soziale Anliegen ausreichend zu vertreten, wodurch ein Vakuum entstand. Die AfD entstand nicht aus dem Nichts; sie nutzte dieses Vakuum und das Gefühl der Verlassenheit, das viele Bürger empfanden, geschickt aus. Wähler, die sich von den etablierten Parteien, einschließlich der SPD, nicht mehr gehört fühlten, suchten nach Alternativen. Hensel kritisiert, dass sich der aktuelle politische Diskurs oft zu sehr auf die Symptome (wie die AfD) konzentriert, ohne die systemischen Versäumnisse und die historische Entwicklung etablierter Parteien wie der SPD ausreichend zu beleuchten. Damit die Demokratie sich erholen und Parteien wie die SPD Vertrauen zurückgewinnen können, sei eine ernsthafte Selbstreflexion unerlässlich. Sie müssten ihre Identität, ihre politischen Inhalte und ihre Beziehung zur Wählerschaft, insbesondere zu jenen, die sich abgehängt fühlen, kritisch überdenken.