Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni intensiviert ihre staatliche Einflussnahme auf die italienische Wirtschaft. Die jüngste Entwicklung in dieser Strategie ist die Prüfung einer möglichen Übernahme der Telecom Italia (TIM) durch den staatlich kontrollierten Postkonzern Poste Italiane. Laut einem Bericht der italienischen Zeitung "Il Messaggero" soll Poste Italiane einen Plan zur Akquisition der TIM entwickeln, um so die nationale Kontrolle über das strategisch wichtige Festnetz auszuweiten. Roberto Cingolani, der ehemalige Minister für ökologischen Wandel und derzeitige Geschäftsführer von Leonardo, einem Rüstungs- und Technologieunternehmen, das mehrheitlich dem Staat gehört, wird als treibende Kraft hinter dieser Initiative angesehen. Im November wurde er zum Geschäftsführer von Leonardo ernannt, nachdem er zuvor von der Meloni-Regierung zu TIM entsandt worden war, um die Gründung eines nationalen Glasfasernetzwerks voranzutreiben. Cingolani gilt als Vertrauter von Meloni und war in ihrer "Brüder Italiens"-Partei aktiv. Die Telecom Italia, ein stark verschuldeter Konzern mit über 25 Milliarden Euro Schulden, hat bereits Schwierigkeiten, einen Käufer für sein Festnetz zu finden. Ein früheres Übernahmeangebot des US-Investmentfonds KKR, das auf rund 10,8 Milliarden Euro für das Festnetz bewertet wurde, wurde von der TIM-Führung als zu niedrig abgelehnt. KKR hält bereits einen Anteil am Glasfaser-Joint-Venture FiberCop, an dem auch TIM beteiligt ist. Darüber hinaus konkurriert die TIM mit Open Fiber, einem weiteren Netzbetreiber, der ebenfalls staatlich kontrolliert wird und dessen Ziel die Schaffung eines nationalen Glasfasernetzwerks ist. Die italienische Regierung hat wiederholt betont, dass das Festnetz von TIM als nationale Infrastruktur betrachtet wird und eine ausländische Kontrolle verhindert werden soll. Diese Haltung spiegelt sich in den Bestrebungen wider, eine rein italienische Lösung für die Zukunft des Telekommunikationsgiganten zu finden. Sollte Poste Italiane, das zu etwa 65 Prozent dem italienischen Staat gehört, TIM tatsächlich übernehmen, würde dies eine signifikante Stärkung der staatlichen Kontrolle im Telekommunikationssektor bedeuten und die Präsenz des Staates in Schlüsselindustrien weiter ausbauen.