Borussia Dortmund, einst für seine klaren internen Strukturen bewundert, scheint nach der Reduzierung von Hans-Joachim Watzkes Einflussbereichen orientierungslos zu agieren. Eine dominante Führungspersönlichkeit fehlt spürbar, was den Verein in eine Phase der Unsicherheit manövriert. Ursprünglich war Sebastian Kehl als Nachfolger von Watzke in der Position des Sportdirektors vorgesehen. Nun jedoch wurde Lars Ricken über ihm zum Geschäftsführer Sport ernannt. Kehl bleibt zwar Sportdirektor, ist aber Ricken unterstellt. Diese Rochade wird weithin als Rückstufung Kehls und als Etablierung einer komplizierten Machtarchitektur interpretiert. Matthias Sammer wird als eine Art „graue Eminenz“ beschrieben, ein externer Berater, dessen Einfluss bemerkenswert ist und oft über offizielle Kanäle hinausreicht. Er gilt als Schlüsselfigur hinter Rickens Aufstieg und der Verlängerung von Edin Terzics Amtszeit. Sammers Ratschläge waren nicht immer von Erfolg gekrönt; Beispiele hierfür sind die fragwürdige "Mentalitätsmonster"-Erzählung und bestimmte Transferentscheidungen. Seine Rolle wird als intransparent wahrgenommen und als potenziell untergrabend für etablierte Hierarchien. Kehl, ehrgeizig und respektiert für seine Arbeit, scheint noch nicht ausreichend etabliert, um die oberste Sportmanagement-Position zu bekleiden. Mit Ricken über ihm und Sammers Einfluss im Hintergrund steht er nun vor einer anspruchsvollen Herausforderung. Seine öffentlichen Äußerungen bleiben oft zurückhaltend. Lars Ricken, eine Vereinslegende, genießt intern hohes Ansehen, verfügt aber nicht über Kehls Verhandlungserfahrung im Managementbereich. Seine Ernennung wird von einigen als Versuch gesehen, seine bisherigen Erfolge und seine internen Verbindungen stärker zu nutzen. Die entschiedene Unterstützung Sammers für Trainer Edin Terzic wird hervorgehoben, ungeachtet interner Zweifel und der inkonsistenten Leistungen des Teams. Die Entscheidung, Terzic zu behalten, wird teilweise Sammer zugeschrieben. Dem Verein mangelt es an einer eindeutigen sportlichen Führung und einer kohärenten Strategie. Es ist eine Ära, die vom „Watzke-Schatten“ geprägt ist, in der seine einst prägnante Führungshand vermisst wird und niemand diese Lücke bisher überzeugend füllen konnte. Die Situation wird mit einem Familienunternehmen verglichen, das eine starke externe Managementstruktur benötigt. Eine klare Ausrichtung und eine konsolidierte sportliche Strategie sind von größter Bedeutung. Die gegenwärtige Konstellation birgt das Risiko weiterer Instabilität.