Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen die häufigste Todesursache bei Frauen dar. Vielen Betroffenen fehlt das Bewusstsein dafür, und oft erhalten sie aufgrund atypischer Symptome – im Vergleich zu Männern – eine unzureichende oder falsche Behandlung. Stefanie Warken (42), die leitende Kraft hinter dem Verein „HerzSchlag – Gemeinsam gegen Herzinfarkt e.V.“, und Stephanie Bär (50), Gründerin der „Stiftung Main Herzenswunsch“, haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Situation zu verbessern. In einem Gespräch mit BILD erläutern sie ihre Forderungen an die politische Landschaft. **BILD: Frau Warken, Frau Bär, obwohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen die führende Todesursache darstellen und damit sogar Brustkrebs übertreffen, erfahren sie in den Medien vergleichsweise wenig Beachtung. Worin sehen Sie die Gründe dafür?** **Stefanie Warken:** Dies ist bedauerlicherweise eine Tatsache. Herzleiden bei Frauen werden nicht ausreichend ernst genommen, da das Thema nach wie vor als primär männlich konnotiert ist. Das Bild des Mannes, der sich mit Schmerzen in der linken Brust am Boden windet, ist tief in der öffentlichen Wahrnehmung verankert. Bei Männern sind die Anzeichen auch eindeutiger. Bei Frauen hingegen äußern sich Herzprobleme oft durch weniger spezifische Beschwerden wie Atemnot, Übelkeit, übermäßiges Schwitzen, Rückenschmerzen oder plötzliche Erschöpfung. Dies hat zur Folge, dass Frauen ihre Symptome oft nicht richtig deuten und sogar von medizinischem Fachpersonal, einschließlich Notärzten, fehldiagnostiziert werden. Ein trauriger Effekt davon ist, dass Frauen häufig zu spät die notwendige Behandlung erhalten. **BILD: Welche konkreten Veränderungen sind notwendig, um Frauen besser zu schützen?** **Stephanie Bär:** Wir benötigen eine umfassende Bewusstseinssteigerung, bessere Aufklärung sowie eine verbesserte Früherkennung und Behandlungsmethoden für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen. Zudem ist ein gesunder Lebensstil von entscheidender Bedeutung: Ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf Rauchen und moderater Alkoholkonsum. Derzeit mangelt es an geschlechterspezifischen Daten, geschultem Personal, präventiven Maßnahmen und zugänglichen Anlaufstellen für Frauen. **BILD: Wen nehmen Sie hier in die Pflicht? Die behandelnden Ärzte, die Krankenkassen oder die Politik?** **Stefanie Warken:** Die Verantwortung liegt bei allen beteiligten Akteuren. Unser vorrangiges Ziel ist es, die Politik in die Pflicht zu nehmen, denn sie muss die Voraussetzungen schaffen, damit Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen entsprechend handeln können. Wir fordern von der Politik eine bessere Datenerhebung, geschlechtergerechte Präventionsprogramme, ein erweitertes Forschungsbudget sowie die Einrichtung von spezialisierten Herzzentren für Frauen. **BILD: Wie stehen Sie zu dem Vorschlag, einen digitalen Herz-Check einzuführen?** **Stephanie Bär:** Dieser Vorschlag ist hervorragend und definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Mit einem digitalen Herz-Check könnten Frauen unkompliziert und niedrigschwellig ihren Risikostatus überprüfen lassen. Dies könnte dazu beitragen, frühzeitig Risikofaktoren zu identifizieren und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten. **BILD: Welche Ratschläge können Sie unseren Leserinnen mit auf den Weg geben?** **Stephanie Bär:** Es ist essenziell, dass Frauen ihren eigenen Körper gut kennenlernen und auf dessen Signale achten. Bei ungewöhnlichen Symptomen, selbst wenn diese als unspezifisch erscheinen, sollte umgehend medizinischer Rat eingeholt werden. Zudem ist es wichtig, die individuellen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte oder Diabetes regelmäßig überprüfen zu lassen. **Stefanie Warken:** Frauen sollten sich nicht scheuen, bei Beschwerden energisch ärztliche Hilfe einzufordern. Es ist entscheidend, dass sie aufmerksam auf Symptome wie Kurzatmigkeit bei Belastung, unerklärliche Müdigkeit oder Schmerzen im Oberbauch reagieren und sich nicht einfach abwimmeln lassen. Im Zweifelsfall sollte eine zweite Meinung eingeholt werden. **BILD: Was motiviert Sie persönlich, sich so stark für dieses Thema einzusetzen?** **Stephanie Bär:** Ich bin Ärztin und habe in meinem persönlichen Umfeld miterlebt, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Leben von Frauen erheblich beeinträchtigen können, oft mit tragischen Folgen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Das hat mich dazu bewogen, aktiv zu werden und mich für die Verbesserung der Situation einzusetzen. **Stefanie Warken:** Mein persönlicher Antrieb liegt in einer eigenen dramatischen Erfahrung: Ich habe meine Schwester durch einen Herzinfarkt verloren. Dieses Ereignis hat mein Leben grundlegend verändert und mich dazu inspiriert, alles zu tun, um andere Frauen vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren.