Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) äußert ernsthafte Bedenken hinsichtlich der künftigen Entwicklung des deutschen Industriestandorts. Angesichts drastisch gestiegener Energiekosten sieht sie die Konkurrenzfähigkeit hiesiger Betriebe erheblich gefährdet, was bereits zur Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland führt. Michael Vassiliadis, der Vorsitzende der IG BCE, warnte am Mittwoch eindringlich: „Das gesamte System steht kurz vor dem Kollaps.“ Er appellierte an die Politik, eine sichere und kostengünstige Energieversorgung sicherzustellen, da die Energiewende sonst in einen „Ausstieg der Industrie“ münden könnte. Vassiliadis kritisierte explizit die starke Abhängigkeit Deutschlands von Energieimporten. Er sprach sich dafür aus, den Fokus stärker auf nationale Energiequellen zu richten, wobei er die Braunkohle als entscheidende Übergangstechnologie hervorhob. „Um Unabhängigkeit zu erlangen und Arbeitsplätze zu erhalten, benötigen wir eine abgesicherte Energieversorgung und eine heimische Wertschöpfung“, betonte er. Er argumentierte, dass der Einsatz von heimischer Kohle der Einfuhr von „Öl aus den Golfstaaten“ oder Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten vorzuziehen sei. Ein aktuell debattierter Industriestrompreis werde seiner Meinung nach die zugrunde liegenden Probleme nicht lösen. Stattdessen sei eine umfassende Neubewertung der gesamten Energieversorgung erforderlich. Die Gewerkschaft plädiert für ein Drei-Säulen-Modell, bestehend aus Energiesicherheit, wirtschaftlicher Verträglichkeit und ökologischer Nachhaltigkeit. Die IG BCE repräsentiert die Belange von circa 600.000 Arbeitnehmern in energieintensiven Sektoren, darunter die Chemie-, Glas-, Keramik- und Stahlindustrie. Diese Branchen sind von den hohen Strom- und Gaspreisen besonders hart getroffen. Zahlreiche Betriebe ziehen bereits in Erwägung, Teile ihrer Produktion ins Ausland zu verlagern oder gänzlich einzustellen. Vassiliadis bezeichnete die bisherige Herangehensweise als „naive Energiepolitik“, die Deutschland in eine prekäre Abhängigkeit geführt habe. Er mahnte einen zügigen Ausbau regenerativer Energien an, forderte jedoch gleichzeitig eine pragmatische Betrachtung der Übergangsperiode, in der fossile Brennstoffe weiterhin eine wesentliche Funktion erfüllen müssten.