Harald Lesch kritisiert Atomenergie: Wassermangel bedroht AKW-Kühlung
München (dpa/lby) – Der bekannte Astrophysiker und engagierte Wissenschaftsvermittler Harald Lesch hat seine deutliche Ablehnung der Kernkraft bekräftigt. Im Mittelpunkt seiner Argumentation steht die Problematik der Kühlung von Reaktoren, die durch die fortschreitende Wasserknappheit zunehmend verschärft wird. Lesch hob hervor, dass Deutschland, und insbesondere der Freistaat Bayern, in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich nicht über die erforderlichen Wassermengen verfügen wird, um Kernkraftwerke risikofrei zu betreiben.
Die Abhängigkeit von Flusswasser zur Kühlung stellt angesichts des Klimawandels und der immer häufigeren Trockenperioden ein unvorhersehbares Risiko dar. Schon jetzt sinken die Wasserstände bedeutender Flüsse wie Rhein und Donau in Hitzephasen auf kritische Niveaus ab. Dies erschwert den Betrieb von Kraftwerken erheblich oder macht ihn gar unmöglich, da die notwendige Wärmeabfuhr nicht mehr gewährleistet ist. Zudem führt die Einleitung von erwärmtem Kühlwasser zu einer weiteren Erhitzung der Gewässer, was schwerwiegende ökologische Konsequenzen nach sich zieht und die Fähigkeit der Flüsse zur Wärmeaufnahme weiter mindert.
Lesch mahnte eindringlich davor, Atomenergie als tragfähige Antwort auf die Herausforderungen der Energiewende zu betrachten. Er charakterisierte sie als eine „veraltete Technologie“, die nicht nur erhebliche Sicherheitsbedenken mit sich bringe und die ungelöste Frage der Endlagerung von radioaktivem Abfall offenlasse, sondern auch immense Mengen an Wasser benötige – einer Ressource, die im Zuge des Klimawandels immer seltener wird. Stattdessen sprach er sich nachdrücklich für einen konsequenten Ausbau regenerativer Energiequellen wie Solar- und Windkraft aus, die sowohl nachhaltiger als auch ressourcenschonender seien. Die Debatte um eine Verlängerung der Betriebszeiten bestehender oder den Bau neuer Kernkraftwerke missachte die aktuellen Realitäten des Klimawandels und die damit verbundenen Herausforderungen für die Trink- und Brauchwasserversorgung.