Hape Kerkeling im Interview: Authentisch bleiben, ohne Anbiederung oder Herabwürdigung
Hape Kerkeling zählt zweifellos zu den prägnantesten Persönlichkeiten der deutschen Unterhaltungsbranche. Nachdem sein Pilgerbericht „Ich bin dann mal weg“ weite Verbreitung fand, kehrt er nun mit dem Nachfolgewerk „Einmal Ikaria und zurück“ in die Buchläden zurück. Im Rahmen eines Interviews mit WELT gewährt der Künstler Einblicke in seine persönliche Lebensphilosophie, die Herausforderungen und Vorteile seiner Bekanntheit und begründet seine bewusste Entscheidung gegen die Nutzung sozialer Medien.
Als zentralen Leitspruch seines Lebens zitiert Kerkeling eine Sentenz seiner Großmutter: „Weder nach oben kriechen noch nach unten treten.“ Diese Maxime habe seine gesamte berufliche Laufbahn sowie sein persönliches Verhalten maßgeblich geformt. Für ihn impliziert dies, Begegnungen stets auf gleicher Ebene zu führen, ungeachtet des sozialen Ranges oder der Stellung des Gegenübers. Eine derartige Einstellung erweist sich in der häufig von Hierarchien geprägten Medienlandschaft oft als herausfordernd, doch Kerkeling verfolgt sie mit unbedingter Konsequenz.
Sein aktuelles Werk „Einmal Ikaria und zurück“ schildert seine Rückkehr auf die griechische Insel Ikaria, die er bereits vor über zwei Jahrzehnten bereist hatte. Dort begibt er sich auf die Suche nach dem Ursprünglichen, fernab von den Auswüchsen des Massentourismus. Jedoch auch auf Ikaria kann er seiner Prominenz nicht entgehen, was sowohl zu amüsanten als auch zu tiefgründigen Begegnungen Anlass gibt. Das Buch präsentiert sich als eine fesselnde Melange aus Reiseerzählungen, introspektiven Gedanken und der kontinuierlichen Suche nach Echtheit.
Der Umgang mit seiner öffentlichen Bekanntheit stellt für Kerkeling ein zwiespältiges Terrain dar. Einerseits schätzt er die ihm zuteilwerdende Aufmerksamkeit und die Sympathie seiner Fans, andererseits verspürt er eine starke Sehnsucht nach Anonymität. Er bezeichnet sich selbst als „prominenten Einsiedler“, der seine persönliche Rückzugssphäre hochhält, sich jedoch bewusst ist, dass seine öffentliche Präsenz untrennbar zu seinem Wirken gehört. Seine Tätigkeit definiert er als eine „Dienstleistung im Unterhaltungssektor“.
Hape Kerkeling distanziert sich entschieden von sozialen Medien. Er unterhält keinerlei entsprechende Profile und betrachtet die dortige Selbstdarstellung als oberflächlich und egozentrisch. Für ihn ist der unvermittelte, persönliche Kontakt von unschätzbarem Wert. Er erachtet soziale Medien als Ursprung von Missverständnissen und als „Unsinn“, der lediglich momentaner Befriedigung diene, jedoch keinerlei authentische zwischenmenschliche Bindungen fördere.
Kerkeling hat seine berufliche Laufbahn bewusst neu ausgerichtet. Anstelle einer durchgängigen Präsenz im Fernsehen fokussiert er sich nun verstärkt auf literarische Tätigkeiten und sorgfältig ausgewählte Vorhaben. Er schätzt die gewonnene Freiheit, nicht länger jedem medialen Trend nachjagen zu müssen und sich ausschließlich jenen Projekten widmen zu können, die ihm persönlich am Herzen liegen. Diese intendierte Reduzierung seiner öffentlichen Auftritte hat ihm nach eigener Aussage eine tiefere innere Zufriedenheit und eine gesteigerte kreative Autonomie beschert.
Am Schluss des Dialogs wird evident, dass Hape Kerkeling einen inneren Frieden mit sich selbst und seiner Umwelt gefunden hat. Er repräsentiert einen Künstler, der sich keiner Verbiegung unterwirft, der fest zu seinen Überzeugungen steht und gerade aus diesem Grund eine solche Beliebtheit genießt. Seine unverfälschte und geerdete Wesensart ist es, die ihn über Jahrzehnte hinweg zu einer konstanten und unverzichtbaren Größe in der deutschen Kulturlandschaft etabliert hat und weiterhin festigt.