Franziska van Almsick über das Älterwerden: Ein erfülltes Leben wichtiger als Faltenfreiheit
Die einstige Spitzenschwimmerin Franziska van Almsick blickt kurz vor ihrem 45. Geburtstag entspannt in die Zukunft. Sie äußerte sich deutlich zum Thema Altern.
"Das Älterwerden bereitet mir keine Furcht", erklärte van Almsick gegenüber der Deutschen Presse-Agentur im Hinblick auf ihren bevorstehenden 45. Geburtstag am 5. Mai. "Ich sehe der vor mir liegenden Zeit mit Vorfreude entgegen und bin sehr zufrieden mit meiner aktuellen Lebenssituation."
Van Almsick erwähnte, dass sie häufig gefragt werde, ob sie nicht wieder zwanzig sein möchte. Ihre Antwort sei stets: "Nein, keineswegs. Ich ziehe es vor, 60 zu werden und ein wahrhaft erfülltes Leben gehabt zu haben, anstatt mit 20 Jahren nichts erlebt zu haben, nur um faltenfrei zu bleiben."
Die Athletin, die bereits im Alter von 14 Jahren an ihren ersten Olympischen Spielen teilnahm, zog eine Parallele zu ihrer früheren Karriere. "Ich habe meine Laufbahn als Profisportlerin nicht grundlos beendet, da ich mit 23 Jahren bereits alles erlebt hatte, was es in diesem Bereich zu erleben gab. Daher bin ich der Meinung, dass das Alter das eigene Leben widerspiegelt und man mit sich selbst im Einklang und zufrieden sein sollte."
Ihre professionelle Schwimmkarriere beendete sie, bevor sie das 24. Lebensjahr erreichte. Im Laufe ihrer aktiven Zeit errang Van Almsick zwei Weltmeistertitel und zehn Europameistertitel. Bei Olympischen Spielen sammelte sie zehn Medaillen, darunter vier silberne. Damit zählt sie zu den erfolgreichsten deutschen Schwimmern und Schwimmerinnen aller Zeiten.
Die Entscheidung, bereits mit 23 Jahren aus dem Leistungssport auszusteigen, bedauert sie nach wie vor nicht. "Ich habe absolut nichts versäumt. Im Gegenteil: Ich konnte viele Erfahrungen sammeln, die mir heute noch nützlich sind", erklärte die gebürtige Berlinerin. "Es war für mich exakt der richtige Moment. Ich habe danach noch zahlreiche andere Aspekte des Lebens erkundet."
Ihre Familie stellt einen zentralen Bestandteil ihres Daseins dar: Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Jürgen B. Harder und ihren beiden Söhnen wohnt sie in Heidelberg. Neben ihrer Rolle als zweifache Mutter ist sie inzwischen auch als Unternehmerin und Fernseh-Expertin aktiv. Darüber hinaus setzt sie sich mit ihrer Franziska van Almsick Stiftung für die Förderung des Schwimmsports bei Kindern ein.
Van Almsick, deren Autobiografie "Aufgetaucht. Mein Leben zwischen Leistung und Leidenschaft" kürzlich erschienen ist, ist der festen Überzeugung, dass Frauen heutzutage einem übermäßigen Druck bezüglich ihres äußeren Erscheinungsbildes ausgesetzt sind.
"Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass meine Einstellung zu mir selbst, meinem Körper, meinem Gewicht und meinen Falten eine ganz andere wäre, wenn ich nicht so viele andere erfüllende Aspekte wie meine beiden Kinder und meine Stiftung hätte", führte sie aus. "Das Äußerliche ist nicht das Einzige, was zählt. Was bleibt dir, wenn du deine Schönheit verlierst? Was hast du dann noch?"
Sie vertritt die Ansicht, dass man insbesondere im Leben von Frauen den Fokus stärker auf andere Werte legen sollte als ausschließlich auf ihr Aussehen. "Das Wesentliche sind doch der innere Gehalt, der Charakter, die gegenseitige Wertschätzung und nicht die äußere Erscheinung", betonte van Almsick. "Ich denke, wir Frauen müssen in dieser Hinsicht etwas entspannter und zufriedener mit uns selbst werden."