Die Allianz der Frankfurter City- und Gewerbeimmobilienwirtschaft (ACCG) übt scharfe Kritik an der Klimaschutzpolitik der Stadt Frankfurt. Die Unternehmensvertreter befürchten, dass die ambitionierten Ziele und die mangelnde Pragmatik der aktuellen Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts erheblich gefährden könnten. Es wird ein verstärkter Dialog mit der Stadt gefordert, um realistische und wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu finden. Stefan Drzisga, Geschäftsführer der ACCG, betonte die Notwendigkeit, einen Kurs zu verfolgen, der die wirtschaftliche Stärke Frankfurts erhält. Er warnt davor, dass eine zu rigide Klimapolitik Unternehmen dazu bewegen könnte, die Stadt zu verlassen. Die derzeitige Geschwindigkeit und die fehlenden praktikablen Konzepte seien besorgniserregend. Die ACCG sieht sich als Partner im Kampf gegen den Klimawandel, fordert jedoch, dass die Stadtverwaltung die Anliegen der Wirtschaft ernst nimmt und flexiblere Wege findet. Besonders das geplante Gesetz zur Wärmeversorgung wird als zu anspruchsvoll kritisiert. Axel Bienhaus von AS+P Architekten und Planer GmbH hebt hervor, dass die Vorgaben für den Gebäudebestand – insbesondere für denkmalgeschützte Immobilien – kaum umsetzbar sind. Es fehle an konkreten, umsetzbaren Lösungen für diese speziellen Herausforderungen. Anstatt sich primär auf Neubauten zu konzentrieren, müsse der Fokus auf den Bestandsgebäuden liegen, da hier der größte Handlungsbedarf bestehe. Volker Gläser von OVG Real Estate wies zudem auf den Mangel an Fachkräften und die explodierenden Baukosten hin, welche die Umsetzung zusätzlich erschweren. Ein Hauptanliegen der ACCG ist, dass die Klimaschutzziele mit den wirtschaftlichen Realitäten in Einklang gebracht werden. Frank J. Schwarz von Immovest GmbH bezeichnet die derzeitige Strategie der Stadt als „Frankfurter Weg“ zur Klimaneutralität bis 2035 als nicht durchdacht und unzureichend finanziert. Er verweist auf eine Initiative des Frankfurter Klimaentscheids, die ursprünglich noch ambitioniertere Ziele vorsah, die von der Stadt jedoch abgemildert wurden, um dem Grundgesetz zu entsprechen. Dennoch bleibe der Kurs der Stadt weiterhin zu unflexibel. Schwarz bemängelt zudem, dass die Kosten für die energetische Sanierung von Gebäuden, die einen großen Teil der Emissionen ausmachen, nicht ausreichend von der Stadt mitgetragen werden, obwohl dies in anderen europäischen Städten üblich sei. Die Kritik richtet sich auch gegen die fehlende Berücksichtigung der Immobilienbranche als Schlüsselakteur. Die Mitglieder der ACCG besitzen einen erheblichen Anteil der Büro- und Einzelhandelsflächen in Frankfurt und sind somit entscheidend für die Umsetzung der Klimaziele. Drzisga unterstreicht, dass die Branche bereit ist, ihren Beitrag zu leisten, aber dafür einen kooperativen Ansatz vonseiten der Stadt benötigt. Er vergleicht die Situation Frankfurts mit der Berliner Klimapolitik, wo überzogene Forderungen zu Stillstand und einer negativen Entwicklung des Mietwohnungsbaus geführt haben. Die ACCG drängt auf eine gemeinsame Strategie, die Klimaschutz mit der wirtschaftlichen Zukunft Frankfurts verbindet und das Risiko eines Abzugs von Unternehmen minimiert.