Frank Stauss reflektiert: Die Bundestagswahl 2002 war ein 'Albtraum' der Superlative für die SPD
Der ehemalige Wahlkampfmanager der SPD, Frank Stauss, hat in einer aktuellen Rückschau die Bundestagswahl von 2002 als eine wahrhaft extreme Herausforderung für seine Partei beschrieben. Auf einer gedachten „Albtraum-Skala“ von eins bis zehn sei diese Kampagne eine „glatte 20“ gewesen, so Stauss. Diese drastische Einschätzung begründet er mit den dramatischen Ereignissen, die den Wahlkampf damals überschatteten: die verheerende Elbeflut im August 2002, die nur wenige Wochen vor dem Wahltermin stattfand.
Diese Naturkatastrophe habe sämtliche sorgfältig ausgearbeiteten Kampagnenpläne der Sozialdemokraten über den Haufen geworfen und eine komplette Neuausrichtung erzwungen. Anstatt sich auf geplante Botschaften und Zukunftsversprechen zu konzentrieren, sei der Fokus abrupt auf Krisenmanagement und akute Hilfe verschoben worden. Der damalige Kanzler Gerhard Schröder sei dadurch gezwungen gewesen, seine Rolle vom Spitzenkandidaten zum besonnenen Krisenmanager zu wandeln, der persönlich vor Ort Präsenz zeigte und schnelle Entscheidungen traf.
Obwohl die Medien die Flutkatastrophe zunächst als möglichen Vorteil für Schröder interpretierten, betont Stauss die immense Belastung und Unsicherheit für das Wahlkampfteam. Die Kampagne, die eigentlich mit dem Slogan „Der Kanzler kann’s“ die Kompetenz Schröders in den Vordergrund stellen sollte, musste plötzlich die Realität eines Landes in Not reflektieren. Das bedeutete auch den Verlust bereits gebuchter Werbeflächen und eine fundamentale Änderung der Kommunikationsstrategie.
Stauss zieht Parallelen zu heutigen Herausforderungen, wie sie etwa Kanzlerin Merkel mit der Pandemie oder Kanzler Scholz mit dem Ukraine-Krieg erleben. Er hebt jedoch hervor, dass die Elbeflut für das Team 2002 ein völlig unerwartetes und unmittelbares Ereignis war, das alle vorherigen Überlegungen zunichtemachte. Die unmittelbare Betroffenheit vieler Menschen und die emotionale Wucht eines solchen Ereignisses hätten die öffentliche Wahrnehmung und die politische Agenda komplett dominiert.
Trotz dieser beispiellosen Widrigkeiten gelang es Gerhard Schröder, die Wahl zu gewinnen. Frank Stauss sieht diesen Erfolg nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Führungsstärke und seines Handelns während der Flutkatastrophe. Die Umstellung von einem klassischen Wahlkampf auf eine authentische Krisenreaktion sei der Schlüssel zum Erfolg gewesen, obwohl es rückblickend eine Kampagne war, die in ihrer Dramatik ihresgleichen suchte.