Familiengeführte Unternehmen in Deutschland haben angesichts bevorstehender Diskussionen über eine mögliche Verschärfung der Erbschaftsteuer deutliche Bedenken geäußert. Sie befürchten erhebliche negative Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland und insbesondere auf Arbeitsplätze. Die Allianz für den Mittelstand (ACCG), ein Zusammenschluss von 29 Verbänden, der rund 90 Prozent der deutschen Familienunternehmen vertritt, warnte nachdrücklich vor den Folgen einer höheren Steuerbelastung bei Betriebsübergaben. Eine höhere Erbschaftsteuer könnte dazu führen, dass Unternehmen gezwungen wären, Betriebskapital abzuziehen oder sogar Unternehmensanteile zu verkaufen, um die Steuerschuld zu begleichen. Dies würde Investitionen hemmen, Innovationen erschweren und letztlich Arbeitsplätze gefährden, so die Kernaussage der ACCG. "Die Erbschaftsteuer stellt eine direkte Substanzsteuer dar, die aus bereits versteuertem Vermögen erhoben wird. Eine Erhöhung der Steuerlast würde die Liquidität von Unternehmen zusätzlich belasten und kann die Fähigkeit zur Reinvestition stark einschränken", erklärte Rainer Kirchdörfer, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Familienunternehmen und Familienbetriebe, bei einer Pressekonferenz in Berlin. Er betonte, dass viele Familienunternehmen bereits hohe Steuerlasten tragen und eine zusätzliche Belastung existenzbedrohend sein könnte. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) schloss sich dieser Warnung an. BDI-Präsident Siegfried Russwurm äußerte sich kritisch zu Überlegungen, die Entlastungen für Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer abzuschaffen oder zu reduzieren. Er betonte, dass diese Privilegien existierten, um Arbeitsplätze zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen, insbesondere des Mittelstands, nicht zu gefährden. "Die derzeitigen Regelungen tragen dazu bei, dass Unternehmen nicht aufgrund einer Erbschaftsteuer-Zahlung in eine Schieflage geraten oder zerschlagen werden müssen", so Russwurm. Die Diskussion um die Erbschaftsteuer flammt regelmäßig auf, insbesondere im Kontext der Regierungsarbeit. Innerhalb der Ampelkoalition, speziell bei den Grünen, gibt es Bestrebungen, die Steuer gerechter zu gestalten, indem Ausnahmen für große Betriebsvermögen kritisch hinterfragt werden. Finanzminister Christian Lindner (FDP) lehnt jedoch eine Erhöhung der Erbschaftsteuer ab, da er negative Auswirkungen auf Investitionen und Arbeitsplätze befürchtet. Die ACCG und der BDI appellieren an die Politik, die Bedeutung der Familienunternehmen für die deutsche Wirtschaft nicht zu unterschätzen. Sie sind das Rückgrat der Wirtschaft, schaffen die meisten Arbeitsplätze und investieren langfristig. Eine Erbschaftsteuer, die diesen Unternehmen die Luft zum Atmen nimmt, würde demnach nicht nur die Betriebe selbst, sondern die gesamte Volkswirtschaft schwächen.