Professor Dr. Dirk Bockmühl, ein Mikrobiologe der Hochschule Rhein-Waal, hat sich eingehend mit den Prozessen des Wäschewaschens auseinandergesetzt und warnt vor verbreiteten Fehlern im Alltag, die die Hygiene beeinträchtigen können. Seine zentrale Erkenntnis ist, dass Wäschewaschen kein einfacher Vorgang ist, sondern Fachwissen erfordert, um Bakterien und andere Mikroorganismen wirksam zu eliminieren und somit die Gesundheit zu schützen. Um Energie zu sparen, waschen viele ihre Kleidung bei niedrigen Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad Celsius. Obwohl dies ökologisch vorteilhaft ist, birgt es hygienische Risiken, da laut Bockmühl viele Bakterien solche Temperaturen überleben können. Die Wahl des richtigen Waschmittels spielt ebenfalls eine Rolle. Flüssigwaschmittel eignen sich gut für farbige Textilien, da sie keine Bleichstoffe enthalten. Für die effektive Keimabtötung sind jedoch Bleichmittel unverzichtbar. Der Mikrobiologe rät daher zu Vollwaschmitteln in Pulverform, da diese in der Regel Bleichmittel enthalten, die für hygienische Reinheit sorgen. Eine überladene Waschmaschine mindert die Waschleistung. Ist die Trommel zu voll, kann sich die Wäsche nicht richtig bewegen, und das Waschmittel kann seine Wirkung nicht vollständig entfalten. Nach dem Waschgang ist zügiges Trocknen essenziell, da feuchte Kleidung ein optimales Milieu für die Vermehrung von Mikroorganismen darstellt. Auch die Waschmaschine selbst kann zur Keimquelle werden. Bockmühl empfiehlt, sie durch regelmäßige 60-Grad-Waschgänge mit Vollwaschmittel sauber zu halten. Zudem sollte die Waschmittelschublade in regelmäßigen Abständen gereinigt werden. Für bestimmte Textilien gibt es besondere Empfehlungen: Unterwäsche und Socken sollten nach Bockmühls Empfehlung stets bei 60 Grad Celsius und unter Verwendung von Vollwaschmittel gereinigt werden, insbesondere wenn Personen im Haushalt erkrankt sind oder ein geschwächtes Immunsystem aufweisen. Spül- und Putztücher sowie Schwämme gelten als Hochburgen für Keime; der Mikrobiologe empfiehlt, sie bei 60 oder idealerweise 90 Grad zu waschen oder in kurzen Intervallen zu ersetzen. Speziell für Allergiker ist es von großer Bedeutung, Bettwäsche bei 60 Grad mit Vollwaschmittel zu reinigen, um Hausstaubmilben und deren Allergene effektiv zu eliminieren. Prof. Bockmühl äußert sich kritisch zu sogenannten 'Hygiene-Spülern', die er oft als überflüssige 'Geldmacherei' bezeichnet. Er betont, dass eine fachgerechte Wäsche bei 60 Grad mit Vollwaschmittel vollkommen ausreicht, um die notwendige Hygiene zu gewährleisten. Bei unsachgemäßer oder unnötiger Anwendung könnten diese Produkte sogar die Entstehung von Resistenzen begünstigen. Das Fazit des Mikrobiologen lautet: Wer seine Wäsche hygienisch reinigen möchte, sollte sich mit den grundlegenden Prinzipien der Mikrobiologie und Chemie vertraut machen und die Anweisungen ernst nehmen. Denn Wäschewaschen ist, wie er es ausdrückt, alles andere als eine Angelegenheit für 'Dumme', sondern erfordert ein bewusstes Vorgehen.