Die spanische Stadt Granada war Gastgeber eines Gipfeltreffens der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG), bei dem die Verteidigungsbereitschaft Europas im Mittelpunkt stand. Angesichts des anhaltenden Krieges in der Ukraine und der daraus erwachsenden Sicherheitsanforderungen diskutierten rund 50 Staats- und Regierungschefs über Wege zur Stärkung der europäischen Sicherheit. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hob die Notwendigkeit hervor, gemeinsame europäische Verteidigungsinitiativen zu intensivieren. Er betonte, dass die europäische Souveränität weiter ausgebaut werden müsse, besonders angesichts neuer geopolitischer Gegebenheiten, die traditionelle Bündnisse wie die NATO herausfordern. Ziel sei es, die Abhängigkeit von einzelnen Partnern zu verringern und stattdessen eigene Kapazitäten aufzubauen. Bundeskanzler Olaf Scholz sprach sich für eine engere Zusammenarbeit im Bereich der europäischen Luftverteidigung aus. Er unterstrich, dass eine solche Rüstungskooperation stets mit den Strukturen der NATO vereinbar sein müsse. Die Absicht sei es, die Verteidigungsfähigkeit innerhalb Europas zu optimieren und gleichzeitig die Bündnisfähigkeit zu sichern. Auch der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, betonte die Wichtigkeit einer eigenständigen europäischen Sicherheitsarchitektur. Er verwies auf die Lehren aus dem Konflikt in der Ukraine und plädierte für eine proaktivere Rolle Europas bei der Gestaltung seiner eigenen Sicherheitspolitik. Michel mahnte, die eigene Sicherheit nicht gänzlich in die Hände anderer zu legen. Auf der Agenda standen zudem aktuelle regionale Konflikte, die das Zusammengehörigkeitsgefühl der EPG auf die Probe stellen könnten. Dazu zählten der schwelende Disput zwischen der Türkei und Armenien sowie die Spannungen zwischen dem Kosovo und Serbien. Diese Auseinandersetzungen verdeutlichen die fragile Sicherheitslage in Europa und die zentrale Bedeutung des Dialogs innerhalb der EPG. Obwohl beim Gipfel keine konkreten, verpflichtenden Beschlüsse gefasst wurden, dient die EPG primär als Forum für einen informellen Austausch und die Abstimmung von Standpunkten. Dennoch wird das Treffen als ein klares Zeichen für den europäischen Willen gewertet, seine Rolle in der Welt und seine Verteidigungsfähigkeiten ernsthaft zu überdenken und zu stärken. Das kommende EPG-Treffen ist für das Frühjahr 2024 in Großbritannien vorgesehen.