In Brüssel hat am Donnerstag ein EU-Gipfel begonnen, dessen Hauptthemen ein umfangreiches Hilfspaket für die Ukraine, eine mögliche Militäraktion im Roten Meer und Strategien zur Senkung der Energiepreise umfassen. Im Mittelpunkt der zweitägigen Gespräche der europäischen Staats- und Regierungschefs steht die fortgesetzte Unterstützung der Ukraine. Eine Finanzhilfe in Höhe von 50 Milliarden Euro über die nächsten vier Jahre, bestehend aus Darlehen und Zuschüssen, soll dem vom Krieg gezeichneten Land zugutekommen. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán widersetzt sich weiterhin dieser Summe und droht mit einem Veto, da er eine jährliche Neuverhandlung des Pakets bevorzugt. Die übrigen 26 Mitgliedstaaten lehnen dies jedoch aufgrund der mangelnden Planungssicherheit ab. Sollte Orbán an seiner Position festhalten, planen die anderen Länder, die Ukraine mit einem separaten Finanzpaket außerhalb des regulären EU-Haushalts zu unterstützen, wie Diplomaten und Bundeskanzler Olaf Scholz im Vorfeld des Gipfels andeuteten. Ebenfalls auf der Tagesordnung stehen die Angriffe der Huthi-Rebellen im Jemen auf Handelsschiffe im Roten Meer sowie die Erwägung einer möglichen EU-Militärmission zum Schutz des maritimen Verkehrs. Diese Entwicklung steht im Kontext des sich verschärfenden Nahost-Krieges. Des Weiteren wird die Problematik der hohen Strompreise diskutiert, die zahlreiche europäische Industrien belasten. Deutschland fordert die EU nachdrücklich auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas in diesem Bereich zu gewährleisten. Die jüngsten, teils heftigen Bauernproteste in ganz Europa gegen die Agrarpolitik der EU, überbordende Bürokratie und steigende Kosten finden ebenfalls Beachtung. Präsident Macron hatte sich dafür eingesetzt, dieses Thema auf die Agenda zu setzen. Am zweiten Tag des Gipfels soll schließlich die Migrationspolitik erörtert werden, insbesondere vor dem Hintergrund der Kritik am Abkommen mit Tunesien. Die EU-Kommission hatte im Vorfeld des Treffens ihre neue Strategie zur Bekämpfung illegaler Migration präsentiert. Angesichts der bevorstehenden Europawahlen in weniger als fünf Monaten werden die Beratungen der Staats- und Regierungschefs auch mit Blick auf die politische Zukunft Europas geführt.