Das Kantonale Labor Zürich entdeckte bei einer jüngsten Milchuntersuchung erhöhte Konzentrationen von umweltschädlichen PFAS-Chemikalien. Bei 11 Prozent der Proben, die von drei von insgesamt 27 untersuchten landwirtschaftlichen Betrieben aus dem Zürcher Raum stammten, wurden bedenkliche Mengen dieser Substanzen gemessen. Das Labor geht davon aus, dass in der Region Zürich zwischen 50 und 100 Betriebe von dieser Problematik betroffen sein könnten. Per- und Polyfluoralkylsubstanzen, kurz PFAS, werden oft als "Ewigkeitschemikalien" bezeichnet, da sie in der Natur kaum abgebaut werden. Sie finden sich in zahlreichen Konsumgütern und akkumulieren sich in Böden, Gewässern, Pflanzen, Tieren und im menschlichen Körper. Verschiedene PFAS-Verbindungen können gesundheitliche Schäden verursachen, darunter Leberschäden, ein erhöhtes Krebsrisiko sowie negative Auswirkungen auf das Immunsystem und die Fortpflanzungsfähigkeit. Die erhöhten PFAS-Werte in der Milch sind auf kontaminiertes Tierfutter zurückzuführen: Die Rinder nahmen die Chemikalien über Futter auf, das auf Feldern angebaut wurde, welche zuvor mit PFAS-haltigem Klärschlamm gedüngt worden waren. Von dort gelangten die Substanzen aus dem Futter in den Organismus der Kühe und anschliessend in die Milch. Alle drei betroffenen Landwirtschaftsbetriebe hatten ihre Anbauflächen bis zum Verbot von Klärschlamm als Düngemittel im Jahr 2018 damit behandelt. Dies zeigt, dass PFAS selbst Jahre nach dem Anwendungsverbot weiterhin aus dem Boden in das Futter und somit in Lebensmittel übergehen kann. Martin Brunner, der Leiter des Kantonalen Labors Zürich, bestätigte, dass die betroffenen Landwirte informiert wurden und eng mit den Behörden kooperieren. Sie haben bereits Massnahmen umgesetzt, wie die Umstellung auf Futter von unbelasteten Feldern oder die vollständige Stilllegung bestimmter Anbauflächen. Die Milch dieser Betriebe wird fortlaufend überwacht, wobei die jüngsten Proben bereits niedrigere PFAS-Werte zeigen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) wurde ebenfalls über diese Ergebnisse in Kenntnis gesetzt. Brunner erklärte, dass die festgestellten Konzentrationen für Erwachsene überwiegend "tolerierbar" seien, jedoch für Kinder aufgrund ihres höheren Milchkonsums pro Körpergewicht problematisch. Besonders besorgniserregend sei dies angesichts des von der EU angestrebten Richtwerts von 2 Nanogramm pro Liter für vier spezifische PFAS-Verbindungen in Lebensmitteln, welcher teilweise von den analysierten Zürcher Proben überschritten wurde. Brunner äusserte die Hoffnung, dass die Schweiz dem Beispiel der EU folgen und strengere Grenzwerte einführen wird. Der Fall der Zürcher Milch verdeutlicht einmal mehr, dass die PFAS-Problematik in der Schweiz möglicherweise weitreichender ist als bisher angenommen. Das BLV ist derzeit dabei, die Lage in der Schweiz detaillierter zu analysieren und neue Höchstwerte für PFAS-Substanzen in Lebensmitteln zu definieren. Die Nutzung von Klärschlamm als Dünger ist generell umstritten; während er wichtige Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor liefert, ist er gleichzeitig mit Schwermetallen, Antibiotikarückständen, Mikroplastik und eben auch PFAS belastet. Zukünftige Untersuchungen sollen die Entwicklung dieser Werte weiterhin beobachten.