Erfolgreiche Geldanlage in Krisenzeiten: Strategien vom Investmentexperten Dr. Daniel Habermann
Seit mehr als zwei Jahren befinden sich die weltweiten Märkte in einem Ausnahmezustand, geprägt von einer Pandemie, dem Konflikt in der Ukraine, einer hohen Inflationsrate, steigenden Zinsen, drohenden Rezessionen und einer Energieknappheit. Angesichts dieser Gemengelage treibt viele Anleger die Frage um, wie sie ihr Vermögen unter diesen Bedingungen noch sicher und gewinnbringend investieren können. Wir haben uns mit Dr. Daniel Habermann, einem versierten Investmentexperten, unterhalten, der fundierte Antworten auf diese Herausforderungen bietet.
Dr. Daniel Habermann ist nicht nur Ökonom und Dozent für Investment & Finance an der FOM Hochschule, sondern auch Co-Gründer und geschäftsführender Partner der SWM Vermögensberatung. Als aktiver Vermögensverwalter und Finanzdienstleister ist er täglich mit den Fragen seiner Klienten konfrontiert. Seine zentrale Botschaft: Krisen sind integrale Bestandteile jedes Wirtschaftszyklus und kein Grund zur Panik. Er empfiehlt, sich emotional von diesen Schwankungen zu distanzieren.
Für eine erfolgreiche Geldanlage plädiert Habermann für eine breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen hinweg. Eine Streuung in Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, Gold und Private Equity ist entscheidend, um das Risiko zu minimieren. Der größte Fehler, den Anleger machen können, ist laut Habermann das Verkaufen in Panik, wenn die Kurse fallen. Dies sei der Moment, in dem Verluste realisiert werden, die sonst nur auf dem Papier existieren würden. Vielmehr bieten solche Phasen oft Gelegenheiten zum Nachkauf.
Eine langfristige Perspektive ist unerlässlich. Wer sein Geld für fünf bis zehn Jahre oder länger anlegt, sollte sich von kurzfristigen Marktschwankungen nicht beirren lassen. Die Historie zeigt, dass sich die Märkte nach Krisen stets wieder erholt haben. Emotionen wie Angst und Gier sind die größten Feinde des Anlegers; es gilt, einen kühlen Kopf zu bewahren und einer festgelegten Strategie zu folgen.
Auf die Frage nach Inflationsschutz hebt Habermann hervor, dass Aktien eine gute Absicherung bieten können. Unternehmen haben die Möglichkeit, steigende Kosten an ihre Kunden weiterzugeben und somit ihre Margen zu schützen. Im Gegensatz dazu sind Anleihen in Zeiten hoher Inflation weniger attraktiv, da die Zinszahlungen an Wert verlieren.
Gold wird oft als Krisenwährung betrachtet, hat aber den Nachteil, dass es weder Zinsen noch Dividenden abwirft. Habermann rät, Gold lediglich in geringem Umfang als Beimischung zu halten. Bei Immobilien sieht er ebenfalls Herausforderungen: Sie sind illiquide und mit hohen Transaktionskosten verbunden. Zwar können sie langfristig Stabilität bieten, sind aber als kurzfristiger Inflationsschutz weniger geeignet und selbst den Marktzyklen unterworfen.
Schulden betrachtet der Experte differenziert: Gute Schulden sind Investitionen, die Rendite generieren, etwa für Bildung oder den Aufbau eines Unternehmens. Schlechte Schulden hingegen dienen dem Konsum und können in einem Umfeld steigender Zinsen und Inflation problematisch werden, da die Rückzahlung teurer wird.
Im Diskurs zwischen aktiver und passiver Vermögensverwaltung vertritt Habermann die Auffassung, dass aktive Manager durch gezielte Auswahl und Timing einen Mehrwert schaffen können, auch wenn viele Studien die Überlegenheit passiver Anlagen nahelegen. Er kombiniert für seine Klienten daher oft beide Ansätze. Robo-Advisors sieht er als nützliche Tools für den Einstieg in die Geldanlage, die jedoch in komplexeren Fällen an ihre Grenzen stoßen und eine persönliche Beratung nicht vollständig ersetzen können.
Zusammenfassend empfiehlt Habermann, sich von Panik und kurzfristigen Schlagzeilen nicht leiten zu lassen. Eine strategische, breit gestreute und langfristig ausgelegte Investitionsphilosophie ist der Schlüssel zum Erfolg – besonders in unsicheren Zeiten.