Bundestrainer Julian Nagelsmann (36) polarisiert die Öffentlichkeit und liefert mit seinen Äußerungen immer wieder Stoff für Diskussionen. Am Sonntag, vor dem Spiel gegen Österreich, reagierte er auf Berichte, wonach Antonio Rüdiger (31) intern verärgert gewesen sein soll, weil er nicht gegen Frankreich (2:0) eingesetzt wurde. Stefan Effenberg (55), TV-Experte bei Sport1 und ehemaliger Fußballprofi, zeigte sich von Nagelsmanns Umgang mit diesem Thema tief irritiert und bezeichnete die Aussagen als „Unverschämtheit“. Im „STAHLWERK Doppelpass“ äußerte sich Effenberg deutlich: „Dass ein Spieler wie Rüdiger mal enttäuscht ist, wenn er nicht spielt, ist völlig normal. Deswegen von Julian Nagelsmann über ihn zu reden und zu sagen, er hätte ein Problem damit gehabt, ist eine Unverschämtheit! Das ist eine schwache Aussage des Bundestrainers!“ Nagelsmann hatte zuvor erklärt: „Wenn ein Spieler mit seiner Rolle unzufrieden ist und nicht spielt, dann ist das ein Punkt, den wir ausräumen müssen. Anscheinend hat er (Rüdiger, Anm. d. Red.) kein Problem damit, dass er nicht gespielt hat.“ Effenberg empfand dies als eine Provokation seitens Nagelsmanns: „Nagelsmann versucht, eine Geschichte zu konstruieren und Rüdiger so darzustellen, als hätte er nicht die nötige Professionalität. Das ist eine schwache Führung und ein schwaches Zeugnis.“ Der Fußball-Experte wies darauf hin, dass Nagelsmann über eine Situation gesprochen hat, die Rüdiger offenbar selbst nicht als Problem betrachtet hat, als er gegen Frankreich nicht in der Startelf stand. „Rüdiger ist ein absoluter Profi. Er ist ein Top-Innenverteidiger und spielt bei Real Madrid. Er kennt das Geschäft. Es ist keine Unprofessionalität, wenn ein Spieler mal enttäuscht ist. Aber darüber braucht man nicht öffentlich zu reden“, so Effenberg. „In der Mannschaft, die sich auf die EM vorbereitet, sollte man solche Themen nicht auf den Tisch bringen.“ Effenberg bekräftigte seine Ansicht: „Nagelsmann wollte hier wieder eine Schlagzeile produzieren. Das ist absolut fehl am Platz.“ Der ehemalige Kapitän betonte auch die Bedeutung der Akzeptanz der Spielerrollen: „Jeder Spieler muss seine Rolle akzeptieren. Es geht nicht darum, dass elf oder 15 Spieler das Spiel machen, sondern 26 Mann müssen ein Team bilden und das Ziel verfolgen, Europameister zu werden.“ Nagelsmanns Vorgehensweise stieß bei Effenberg auf Unverständnis: „Man muss als Bundestrainer die Spieler in ihren Rollen stärken und nicht Schwächen hervorheben. Das ist ganz entscheidend.“