Die Prognosen für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2012 deuteten auf eine allmähliche Erholung hin, allerdings unter der wesentlichen Voraussetzung, dass sich der Konflikt um den Iran nicht verschärft. Nun gibt das Ifo-Institut eine nachdrückliche Warnung vor den potenziell verheerenden Auswirkungen eines solchen Krieges heraus. Fachleute des Ifo-Instituts, der Commerzbank, der Bundesbank sowie die Bundesregierung stimmten weitgehend darin überein, dass die deutsche Wirtschaft nach einem kurzen Rückgang zum Jahreswechsel 2012 wieder auf einen moderaten Wachstumspfad zurückkehren würde. Man sprach von einer "milden Erholung". Diese optimistischen Einschätzungen basierten jedoch auf der entscheidenden Prämisse, dass keine Eskalation des Konflikts mit dem Iran eintreten würde. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn betonte in einem Interview mit der "Rheinischen Post" am Freitag, dass ein tatsächlicher Krieg schwerwiegende Auswirkungen hätte. Er erklärte: "Es wäre sofort vorbei mit dem Wirtschaftswachstum, und zwar weltweit. Und damit natürlich auch in Deutschland, egal ob wir mitmischen oder nicht." Die primäre Ursache dafür wären die Ölpreise. Im Falle militärischer Auseinandersetzungen würde der Preis für ein Barrel Rohöl voraussichtlich auf 150 bis 200 US-Dollar ansteigen, was eine Rezession "unvermeidlich" machen würde. Sinn zog Parallelen zu den Ölkrisen der 1970er Jahre und dem Irak-Krieg von 1991, bei denen die Ölpreise ebenfalls stark anstiegen und erhebliche globale Wirtschaftskonsequenzen nach sich zogen. Aktuell bewegt sich der Preis für die Rohölsorte Brent aus der Nordsee um 112 Dollar pro Barrel. Die politischen Spannungen haben in den letzten Wochen merklich zugenommen. Die Vereinigten Staaten haben zusätzliche Sanktionen gegen den Iran erlassen, woraufhin Teheran mit der Sperrung der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus drohte – einer Engstelle, durch die ein Großteil des globalen Seeöltransports verläuft. Auch Israel hat bereits vor einem potenziellen Militärschlag gegen iranische Atomanlagen gewarnt. Obwohl ein Krieg vom Ifo-Institut nicht als das wahrscheinlichste Szenario angesehen wird, könnten bereits erhöhte Ölpreise aufgrund der Spannungen das Wirtschaftswachstum dämpfen. Ifo-Konjunkturexperte Kai Carstensen bemerkte, dass sich Marktteilnehmer aufgrund der Unsicherheiten bei Ölspekulationen zurückhielten. Ohne diesen Effekt der zurückhaltenden Spekulationen wären die Ölpreise vermutlich sogar noch höher. Es gebe zwar weitere Risiken für die deutsche Wirtschaft, wie etwa die anhaltende Euro-Krise. Diese würden jedoch momentan gegenüber der Iran-Frage in den Hintergrund treten. Selbst eine positive Entwicklung der US-Wirtschaft könnte in einem solchen Szenario keine Abhilfe mehr schaffen.