Die Versorgung mit Kraftstoffen in Deutschland und Europa könnte ab Ende April vor Herausforderungen stehen. Zwei bedeutende Raffinerien haben zeitgleich mehrwöchige Wartungsarbeiten angekündigt, was zu potenziellen Engpässen führen könnte. Die Bundesregierung wird daher dringend zum Handeln aufgerufen, um die Lieferketten zu sichern. Ein internes Dokument der TotalEnergies-Raffinerie Leuna in Sachsen-Anhalt, das ntv einsehen konnte, bestätigt diese Befürchtungen. Sowohl der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) als auch führende Energieexperten äußern Bedenken hinsichtlich möglicher Lieferengpässe und einer damit einhergehenden Preissteigerung. Die Raffinerie in Leuna, ein zentraler Versorger für die ostdeutschen Bundesländer, wird ihre Produktion Ende April für einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen einstellen. Parallel dazu plant auch die PCK-Raffinerie in Schwedt (Uckermark) eine mehrwöchige Produktionspause. Energieexperte Andreas Goldau äußerte gegenüber der Rheinischen Post seine Besorgnis: „Diese Situation ist brisant, da Deutschland nach dem EU-Embargo gegen russisches Öl stark auf Dieselimporte angewiesen ist.“ Er wies zudem auf die begrenzten Importmöglichkeiten für nicht-russischen Diesel über Pipelines und Seehäfen hin. Goldau betonte, dass der weltweite Dieselmarkt ohnehin schon „extrem angespannt“ sei und die gleichzeitige Wartung zweier Raffinerien eine kritische Lieferlage zur Folge habe. Auf Anfrage von ntv versicherte der MWV: „Wir werden die Versorgung der Bevölkerung gewährleisten.“ Dennoch mahnte Goldau an: „Fallen im April zwei große Raffinerien gleichzeitig aus, ist es die Aufgabe der Bundesregierung, zügig Maßnahmen zu ergreifen, um Engpässe zu verhindern.“ Goldau schlug vor, dass die Bundesregierung die Nutzung der strategischen Ölreserve in Betracht ziehen sollte. Dies wäre jedoch ein Novum, da diese Reserve primär für unvorhergesehene Versorgungsstörungen und nicht für geplante Wartungsarbeiten gedacht ist. Der MWV erklärte, dass „Raffinerien grundsätzlich auf Revisionen vorbereitet sind und die Versorgung durch Vorkäufe absichern.“ Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen ist Goldau jedoch überzeugt, dass es zu Engpässen kommen wird. Lieferengpässe sind kein neues Phänomen. Bereits im vergangenen Jahr, als die Schwedter Raffinerie aufgrund der Umstellung auf alternative Ölquellen nur mit reduzierter Kapazität arbeitete, kam es in Ostdeutschland, insbesondere in Berlin, zu deutlichen Preiserhöhungen beim Tanken, die kurzfristig bis zu 20 Cent pro Liter betrugen. Leuna, die zweitgrößte Raffinerie Deutschlands, versorgt alleine 60 Prozent der ostdeutschen Tankstellen und deckt zwischen 10 und 12 Prozent des bundesweiten Bedarfs ab. Im Rahmen der Wartung ist der vollständige Austausch einer Wasserstofferzeugungsanlage geplant. Auch die PCK-Raffinerie in Schwedt, die ebenfalls für die Versorgung Ostdeutschlands zuständig ist und nach dem Stopp russischer Rohöllieferungen operieren musste, sollte eigentlich auf die Verarbeitung nicht-russischen Öls umgestellt werden.