Donald Trumps überraschende Fußballbegeisterung: Ein Versuch, MAGA-Fans zu mobilisieren?
Im Vorfeld der in den USA ausgetragenen Copa América positioniert sich Donald Trump als unerwarteter Fürsprecher des Fußballs. Er schwärmt von der Schönheit des Spiels, übt jedoch gleichzeitig Kritik an der Leistung der derzeitigen US-Nationalmannschaft. Die Vereinigten Staaten sind nicht nur 2024 Gastgeber der Copa América, sondern werden auch 2026 gemeinsam mit Mexiko und Kanada die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten. Der Sport erfährt in den USA derzeit einen erheblichen Aufschwung.
Trumps aktuelle Begeisterung für den Fußball stellt eine bemerkenswerte Kehrtwende dar. Früher bezeichnete er das Spiel als „langweilig“ und äußerte Zweifel an der Fähigkeit der USA, jemals eine führende Rolle im Weltsport zu spielen. Nun jedoch äußert er sich lobend. Die Kernwählerschaft der MAGA-Bewegung, oft in ländlichen Regionen beheimatet und traditionell eher dem Baseball, American Football oder NASCAR zugeneigt, hat dem „europäischen“ Fußball gegenüber oft eine skeptische Haltung eingenommen.
Es liegt die Vermutung nahe, dass Trumps veränderte Haltung politisch motiviert ist. In einem zutiefst polarisierten Land könnte er versuchen, über den Sport neue Wählerschichten zu erschließen. Er neigt dazu, „woke“ Einflüsse zu kritisieren und versucht möglicherweise, den Fußball als „patriotisch“ darzustellen. In den USA wird Fußball häufig als „liberaler“ oder „städtischer“ Zeitvertreib angesehen, im Gegensatz zu den etablierten, „traditionelleren“ amerikanischen Sportarten.
Der Soziologe David Goldblatt merkt an, dass Fußball als „globaler“ Sport potenziell die amerikanische Identität infrage stellen könnte. Der „MAGA-Mythos“ eines „Landes der Freiheit“ stehe im Widerspruch zum universellen Charakter des Fußballs. Sportwissenschaftler Russell B. Johnson weist darauf hin, dass die „Soccer Moms“ – weiße Frauen der Mittelschicht – eine entscheidende Wählergruppe darstellen. Trump könnte versuchen, diese Gruppe anzusprechen, doch seine Basis bleibt vorwiegend konservativ. Die Kulturkriege könnten sich auch im Sport weiter zuspitzen.
Es bleibt ungewiss, ob Trump seine Anhänger wirklich für den Fußball gewinnen kann oder ob es sich lediglich um einen Versuch handelt, eine breitere Wählerschaft anzusprechen, während der Sport weiterhin als Schauplatz kultureller Konflikte dient.