Donald Trump demonstriert im Iran-Konflikt eine erstaunliche Kadenz an Meinungswechseln. Mal droht er mit der vollständigen Zerstörung, nur um kurz darauf die Option eines direkten Treffens mit Irans Präsident Hassan Ruhani anzubieten. Seine Strategie erscheint unkalkulierbar und phasenweise irrational. Welche Motivation steckt hinter diesem Verhalten? **Ein Zick-Zack-Kurs sorgt für Verwirrung bei Verbündeten und Gegnern** Um Donald Trumps Iran-Strategie noch nachvollziehen zu können, benötigt man einiges: Ausdauer, ein dickes Fell und die Bereitschaft, die politische Gesamtlage im Stundentakt neu zu analysieren. Denn der US-Präsident revidiert seine Aussagen mehrfach am Tag und lässt Dinge, die erst kürzlich als ausgeschlossen galten, plötzlich wieder als Möglichkeit erscheinen. Ein konsistentes Muster ist in den letzten Wochen kaum noch erkennbar gewesen. Es ist wohl kaum noch präsent, dass Trump erst vor Kurzem dem Iran mit totaler Vernichtung drohte. Im Mai verfasste der US-Präsident: „Falls Iran kämpfen will, wird dies das offizielle Ende Irans sein.“ Vor lediglich einer Woche twitterte Trump noch in Großbuchstaben: „Droht den Vereinigten Staaten niemals wieder!“, gefolgt von der Warnung, dass andernfalls „Konsequenzen folgen werden, wie sie nur wenige in der Geschichte je erlebt haben.“ Dies repräsentierte die eine Facette seiner Rhetorik. Die andere Seite offenbarte sich in einer Äußerung vom Montag: „Wir wollen mit Iran verhandeln.“ Ergänzend fügte er hinzu: „Ich bin bereit, ohne Vorbedingungen zu verhandeln.“ Trump reagierte damit auf Signale aus dem Iran. Die Teheraner Regierung hatte zuvor angedeutet, Gespräche mit der US-Regierung aufzunehmen, sofern die Sanktionen aufgehoben würden. Dieses ständige Schwanken hat Methode. Schon länger versuchen Fachleute, eine Logik in der Iran-Politik der USA zu finden. Dies erweist sich jedoch als komplex. „Trumps Ansatz ist einzigartig, und er möchte sich nicht von konventionellen außenpolitischen Ansätzen einengen lassen“, erklärte Mark Fitzpatrick vom „International Institute for Strategic Studies“ in Washington der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn zu viele Berater um ihn herum sind, empfindet er das als Einschränkung.“ Trump vertraue einzig seiner eigenen Einschätzung, so Fitzpatrick weiter. Dies ist auch ein Grund dafür, warum er sich mit außenpolitischen Beratern umgibt, die seine Meinung teilen – oder sie entlässt. Der ehemalige Außenminister Rex Tillerson wurde entlassen, da er nicht mit Trumps Linie übereinstimmte. Mit dem aktuellen Außenminister Mike Pompeo scheint die Zusammenarbeit reibungsloser zu verlaufen. Pompeo vertritt eine harte Linie in der Iran-Frage und gilt als absolut loyal gegenüber Trump. Selbst Pompeo ist von Trumps Kursänderungen betroffen. Als der US-Präsident in der letzten Woche einen Militärschlag gegen den Iran kurz vor der Ausführung abbrach, waren Pompeo sowie seine Hardliner-Kollegen John Bolton (Nationaler Sicherheitsberater) und Gina Haspel (CIA-Direktorin) bereits auf dem Weg ins Lagezentrum. Nach deren Ankunft teilte Trump ihnen seine Entscheidung mit. Offenbar hatte der Präsident seine Meinung auf dem Weg dorthin geändert. **Was ist Trumps Vorgehensweise?** Fachleute vermuten, dass Trumps Benehmen – die Drohungen, gefolgt von der Bereitschaft zu Gesprächen trotz Sanktionen – Teil einer übergeordneten Strategie ist, um eine vorteilhafte Verhandlungsposition zu erlangen. Mit den Iranern führe er „ein Pokerspiel“, so Fitzpatrick. „Die Iraner verstehen das.“ Es handele sich um eine „klassische Verhandlungstaktik“, um den Iran zu Verhandlungen zu zwingen. Eine solche Taktik hat sich bereits im Umgang mit Nordkorea als wirksam erwiesen. Dabei stößt Trump jedoch auf ein Problem: Im Fall Nordkoreas konnte er im Vorfeld einen konkreten Erfolg verbuchen – eine direkte Kommunikationslinie zwischen den beiden Staaten. Mit dem Iran verhält es sich jedoch anders: Ein Jahr, nachdem die USA unilateral aus dem Atomabkommen „JCPOA“ ausgestiegen sind, existiert keine direkte Verbindung nach Teheran. Im Gegenteil: Die Spannungen haben sich signifikant verschärft. **Zurück im Pokerspiel um das Atomabkommen** Am Dienstag folgte ein weiteres Manöver Trumps. Er verhängte Sanktionen gegen Irans Obersten Führer, Ajatollah Ali Chamenei. Das Atomabkommen von 2015, das die US-Regierung so verärgert, hatte er im Vorjahr einseitig aufgekündigt. Anschließend verhängte er Sanktionen gegen das Mullah-Regime, welche die iranische Wirtschaft erheblich belasten. Das Atomabkommen sah ursprünglich vor, dass der Iran sein Nuklearprogramm einschränkt. Im Gegenzug sollten die Sanktionen aufgehoben werden. Da die USA nun jedoch unilateral wieder Sanktionen verhängt haben, sieht sich der Iran nicht länger an die Vereinbarung gebunden – und drohte, die Urananreicherung wieder zu intensivieren. Auch hierbei widerspricht sich Trump. „Ich werde nicht zulassen, dass Iran Atomwaffen erhält“, erklärt er, was verständlich ist. Andererseits hatte er das Abkommen gekündigt, dessen primäres Ziel genau das Verhindern von Atomwaffen war. Ein Paradoxon, das wohl einzig Donald Trump zu entschlüsseln vermag.