Infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der daraus resultierenden Ungewissheit bezüglich der Gasversorgung sucht Deutschland nach alternativen Bündnispartnern. Katar zählt zu diesen neuen Partnern. Das Emirat engagiert sich bereits seit mehreren Dekaden mit Investitionen in Deutschland, darunter auch in Rheinland-Pfalz. An der geografischen Schnittstelle von Rhein und Neckar, im westdeutschen Ludwigshafen, ist die Errichtung eines Terminals für Flüssigerdgas (LNG) geplant. Dieses Vorhaben stellt einen essenziellen Schritt dar, um die deutsche Energieversorgung von russischen Gasimporten unabhängiger zu gestalten. Während die „Deutsche ReGas“ als Betreiber fungiert, agiert „Südweststrom“ als Projektpartner. Ein signifikanter Anteil dieses Unternehmens befindet sich im Besitz des Golfstaates Katar. Die FIFA würdigte Katar vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 als das „reichste Land der Welt“, basierend auf seinem Pro-Kopf-BIP. Das winzige Emirat ist global der führende Exporteur von Flüssigerdgas. Als bedeutendster Anteilseigner der in Mainz ansässigen Energiegesellschaft „Südwestdeutsche Stromhandels GmbH“ (kurz: Südweststrom) hält Katar 45 Prozent der Geschäftsanteile. Diese Beteiligung erfolgt über die „Qatar Holding Germany GmbH“. Mehr als 50 deutsche Stadtwerke, darunter auch Versorger in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen, beziehen ihre Energie von „Südweststrom“. Katar beschränkt sein Engagement nicht auf das Energiegeschäft in Rheinland-Pfalz, sondern investiert bereits seit mehreren Jahrzehnten umfassend in Deutschland. Schätzungen von „Germany Trade and Invest“ (GTAI) zufolge übersteigen die katarischen Investitionen in der Bundesrepublik 25 Milliarden Euro. Zu den Beteiligungen des Wüstenstaates zählen unter anderem Anteile an der Deutschen Bank, Siemens und dem Volkswagen-Konzern. Innerhalb der letzten 15 Jahre haben sich die Investitionen Katars in Deutschland um ein Vielfaches erhöht. Das Emirat verfolgt das Ziel, seine Wirtschaft durch die Sicherung langfristiger Energieabnehmer zu diversifizieren. Deutschland seinerseits beabsichtigt, seine zukünftige Energieversorgung auf breitere und unabhängigere Füße zu stellen. Es wird angenommen, dass die Abhängigkeit von Katar künftig weiter ansteigen dürfte. Bereits im März 2022 besuchte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) Katar, um dort Energiepartnerschaften auszuhandeln, wobei Lieferungen von Flüssigerdgas im Mittelpunkt standen. Deutschland sah sich daraufhin dem Vorwurf ausgesetzt, sich mit einem Wüstenstaat zu verbünden, der wegen seiner Menschenrechtsverletzungen und der Ausbeutung von Gastarbeitern international stark kritisiert wird. Insbesondere die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 lenkte die globale Aufmerksamkeit auf die gravierenden Missstände innerhalb des kleinen Landes. Menschenrechtsorganisationen, internationale Gewerkschaften und die Medien thematisierten ausführlich die katastrophalen Arbeitsbedingungen, den Tod tausender ausländischer Arbeitskräfte sowie die Repressionen gegenüber homosexuellen Personen. Die deutsche Politik steht vor der Herausforderung, einerseits die Sicherstellung von Energieimporten zu gewährleisten und andererseits die eigenen Werte nicht zu kompromittieren.