Ein kürzliches NZZ Podium beschäftigte sich eingehend mit der Frage nach der zukünftigen Rolle und Bedeutung der Vereinten Nationen. Angesichts aktueller globaler Krisen wie den bewaffneten Auseinandersetzungen in der Ukraine und im Nahen Osten, aber auch im Kontext der Klimakrise und der Sicherstellung der weltweiten Ernährung, wird die UN oftmals als unzureichend handlungsfähig wahrgenommen. Experten diskutierten intensiv darüber, ob die Organisation weiterhin eine zentrale Rolle spielen kann und welche Anpassungen notwendig wären. Viele Menschen empfinden die Effektivität der Vereinten Nationen als begrenzt, insbesondere da sie es nicht vermochte, größere Konflikte zu verhindern oder beizulegen, vor allem wenn ständige Mitglieder des Sicherheitsrates involviert sind. Das Veto-Recht der fünf ständigen Ratsmitglieder (P5) stellt einen wesentlichen Hemmschuh dar und führt oft zur Blockade des Sicherheitsrates. Fälle wie der Syrienkrieg und der Konflikt in der Ukraine verdeutlichen diese Problematik eindringlich. Hinsichtlich der Funktion der UN existieren unterschiedliche Ansichten: Einige betonen, dass der ursprüngliche Auftrag der Organisation, nämlich die Prävention großer Kriege, nach wie vor Gültigkeit besitzt, auch wenn die Umsetzung unvollkommen ist. Sie verweisen auf die unverzichtbare Rolle der UN in Bereichen wie humanitäre Hilfe, nachhaltige Entwicklung und die Etablierung internationaler Normen. Andere wiederum kritisieren die bürokratische Struktur, die mangelnde Durchsetzungskraft und die veralteten Rahmenbedingungen der Institution. Es wurden verschiedene Vorschläge zur Reformierung unterbreitet: Dazu gehört die Erweiterung des Sicherheitsrates, beispielsweise durch die Aufnahme von Staaten wie Deutschland, Japan, Indien und Brasilien als ständige Mitglieder oder die Einführung rotierender Sitze für regionale Mächte. Ebenso wurde eine Beschränkung oder Abschaffung des Veto-Rechts diskutiert, möglicherweise gekoppelt an eine 'Schutzverantwortung'-Klausel. Ferner wurden eine Erhöhung der finanziellen Mittel und eine Effizienzsteigerung der Organisation angeregt. Die Herausforderungen und Erfolge der UN-Friedensmissionen, die oft unterfinanziert sind und in komplexen Umfeldern operieren müssen, wurden ebenfalls beleuchtet. Die Erörterung umfasste zudem die generellen Schwierigkeiten, denen der Multilateralismus in einer Welt gegenübersteht, die zunehmend von Großmachtrivalitäten und nationalen Eigeninteressen geprägt ist. Trotz ihrer Unzulänglichkeiten sind sich viele einig, dass eine Organisation wie die Vereinten Nationen unverzichtbar ist. Dennoch sind grundlegende Reformen unerlässlich, um sie den Anforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen. Die zentrale Frage lautet demnach nicht, *ob* wir die UN benötigen, sondern *wie* ihre Wirksamkeit gesteigert werden kann.