Die US-Notenbank belässt den Leitzins unverändert und wartet ab
Am Mittwochabend traf die amerikanische Zentralbank, die Federal Reserve (Fed), eine erwartete Entscheidung: Ihr Hauptzinssatz bleibt weiterhin im Bereich von 5,25 bis 5,5 Prozent. Damit markiert dies die siebte aufeinanderfolgende Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC), bei der keine Anpassungen des Zinsniveaus vorgenommen wurden. Wenige Stunden vor dieser Bekanntgabe hatte das Bureau of Labor Statistics Statistiken zu den Verbraucherpreisen publiziert, welche auf eine geringfügige Minderung des Inflationsdrucks hindeuteten.
Ungeachtet der jüngsten Inflationsdaten präsentierte sich die Fed in ihren jüngsten Vorhersagen zurückhaltender als noch im März. Zu jenem Zeitpunkt sahen die Mitglieder der Notenbank im sogenannten "Dot Plot" noch drei Kürzungen des Leitzinses für das aktuelle Jahr vor. Aktuell jedoch prognostiziert die Medianprojektion nur noch eine einzige Senkung. Von den neunzehn Mitgliedern des Offenmarktausschusses (FOMC) rechnen neun gegenwärtig mit lediglich einer Zinssenkung im Verlauf des Jahres. Acht Mitglieder kalkulieren mit zwei Senkungen, während vier Mitglieder für dieses Jahr überhaupt keine Zinssenkung erwarten.
Im Rahmen der nachfolgenden Pressekonferenz bekräftigte Fed-Vorsitzender Jerome Powell, dass ein "höheres Mass an Überzeugung" erforderlich sei, bevor Zinssenkungen ins Auge gefasst werden könnten, nämlich dass die Inflation dauerhaft das angestrebte Ziel von 2 Prozent erreicht. Er hob hervor, dass die Zentralbank bereit sei, die Zinssätze bei Bedarf auch über einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau zu halten.
Des Weiteren enthüllten die Vorhersagen des FOMC eine Erhöhung der BIP-Wachstumsprognose für 2024 auf 2,6 Prozent, verglichen mit den früheren 2,1 Prozent. Die Schätzung für die Arbeitslosenquote blieb mit 4,0 Prozent unverändert. Die Inflationsprognose (PCE) für 2024 wurde von der Fed von 2,6 Prozent auf 2,7 Prozent angehoben.
Die Finanzmärkte zeigten nach der Bekanntgabe der Konsumentenpreisdaten zunächst beachtliche Kurssteigerungen, die sich jedoch nach der Entscheidung der Fed und der Pressekonferenz von Powell wieder leicht festigten. Der S&P 500 beendete den Handel mit einem Plus von 0,85 Prozent, während der Nasdaq um 1,53 Prozent zulegte. Die Renditen von Staatsanleihen verzeichneten einen Rückgang.
Powell vermied es zudem, eine definitive Aussage darüber zu treffen, ob es im laufenden Jahr noch zu einer Zinssenkung kommen würde. Er äusserte, falls sich die Wirtschaftsbedingungen wie erhofft entwickeln sollten, "könnte es eine Möglichkeit geben", dass eine Zinssenkung im zweiten Halbjahr stattfindet. Allerdings unterstrich er auch, dass die konjunkturelle Entwicklung stets für unerwartete Wendungen sorgen kann.