Für das Jahr 2026 sind die Termine des jüdischen Pessach-Festes (im Jahr 5786 des jüdischen Kalenders) für Ende März und des christlichen Osterfestes für Anfang April angesetzt. Dies bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, die fundamentalen Botschaften dieser Feiertage im Kontext unserer gegenwärtigen globalen Schwierigkeiten, insbesondere des von fossilen Brennstoffen geprägten Zeitalters, neu zu interpretieren. Das Pessach-Fest gedenkt der historischen Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei. Es verkörpert die Geschichte eines Aufbruchs aus einer lebensbestimmenden Unterdrückung. Doch seine Bedeutung reicht über ein bloßes historisches Ereignis hinaus; es dient als fortwährendes Vorbild für die unablässige Suche nach Freiheit von immer wiederkehrenden Formen der Abhängigkeit. In der heutigen Zeit sehen wir uns mit der dringenden Herausforderung konfrontiert, ob wir uns von der tief verwurzelten Abhängigkeit fossiler Energiequellen befreien können. Dieser sogenannte „Fossilismus“ gefährdet nicht nur unsere Umwelt, sondern stürzt auch unsere gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen in eine tiefgreifende Krise. Pessach motiviert uns, die Kraft zu finden, einem System entgegenzutreten, das uns in den Abgrund treibt, und stattdessen den Pfad in eine tragfähige und emanzipierte Zukunft einzuschlagen. Ostern ehrt die Wiederauferstehung Jesu Christi, symbolisiert den Triumph über den Tod und verheißt die Entstehung neuen Lebens. Es vermittelt die Botschaft, dass selbst nach extremstem Leid und angesichts scheinbarer Unabänderlichkeit eine grundlegende Transformation und ein Neuanfang realisierbar sind. In Anbetracht der sich verschärfenden Klimakatastrophen, des massiven Artensterbens und der drohenden ökologischen Zusammenbrüche könnte die Idee eines „Neuanfangs“ als unrealistisch wahrgenommen werden. Dennoch ermutigt uns Ostern, über die offensichtlichen Grenzen des Erreichbaren hinauszuschauen. Es ist eine Aufforderung zu einer tiefgreifenden „Metanoia“, einer Umkehr in unserem Denken und Handeln, die sowohl persönliche als auch gemeinschaftliche Aspekte umfasst. Es geht darum, auch angesichts einer scheinbar unabwendbaren Katastrophe an der Vitalität des Lebens und der Chance zur Veränderung festzuhalten. Beide Feiertage kulminieren in einer Haltung des „Dennoch“: Eine unerschütterliche Hoffnung inmitten der Verzweiflung, eine realisierbare Befreiung ungeachtet der Knechtschaft, ein fortwährendes Leben nach dem Tod. Dieses „Dennoch“ stellt keinen naiven Optimismus oder eine Leugnung der Fakten dar. Vielmehr ist es eine tief in der menschlichen Erfahrung und im spirituellen Glauben verankerte Gewissheit, dass jenseits momentanen Leidens und offensichtlicher Ausweglosigkeit stets ein Pfad, eine Gelegenheit zur Wende und zur Erneuerung existiert. Bezogen auf den Fossilismus impliziert dieses „Dennoch“, dass wir – ungeachtet der Dominanz von Gewohnheiten, wirtschaftlichen Interessen und politischer Inaktivität – sowohl die Kapazität als auch die moralische Pflicht besitzen, eine alternative Route einzuschlagen. Es verdeutlicht, dass die Vorstellung einer post-fossilen Gesellschaft nicht nur eine ferne Utopie ist, sondern eine greifbare Notwendigkeit, für deren Verwirklichung sich der Einsatz lohnt. Die Feierlichkeiten von Pessach 5786 und Ostern 2026 motivieren uns dazu, dieses „Dennoch“ in uns zu verankern und es proaktiv in die Tat umzusetzen. Sie fordern uns auf, nicht bloß vergangene Ereignisse zu rekapitulieren oder auf zukünftige Entwicklungen zu hoffen, sondern im gegenwärtigen Moment entschlossene Transformationsschritte zu unternehmen. Es ist der geeignete Zeitpunkt, unsere eigene Loslösung vom Fossilismus einzuleiten und das Leben in seiner gesamten Pracht neu zu erfassen – ein Dasein, das auf Prinzipien der Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Achtung vor der gesamten Schöpfung gründet.