Die AfD und die Finanzmärkte: Wann die Partei zum Risiko wird
Trotz des anhaltenden Aufwärtstrends der AfD in aktuellen Meinungsumfragen zeigen sich die Finanzmärkte, insbesondere der DAX, bislang unbeeindruckt. Die Frage stellt sich, ab welchem Punkt die Partei eine ernsthafte Besorgnis für die Börsenwelt darstellen könnte.
Ein wesentlicher Faktor für diese Gelassenheit liegt in der Einschätzung der Investoren, dass die AfD in naher Zukunft keine Regierungsverantwortung in Deutschland übernehmen wird. Die Börsenteilnehmer orientieren sich vielmehr an den bereits eingeführten oder geplanten politischen Entscheidungen der amtierenden Regierung, etwa im Bereich der Energiepolitik oder der Legalisierung von Cannabis.
Dies betont Dr. Klaus-Werner Köhler-Heil, ein Finanzexperte der auf Vermögensanlagen fokussierten Kanzlei Heil.
Entscheidend für die Reaktion der Finanzmärkte sei die generelle Erwartungshaltung bezüglich der staatlichen Entwicklung, so der Experte. Obwohl der AfD in einigen Bundesländern durchaus eine Regierungsbeteiligung zugetraut wird, bleibt sie auf nationaler Ebene weitgehend isoliert, da momentan keine andere Partei eine Koalition mit ihr in Erwägung zieht.
„Selbst ein Regierungsantritt der AfD in einem einzelnen Bundesland hätte voraussichtlich keine maßgeblichen Auswirkungen auf die Börse“, erläutert Köhler-Heil.
Eine Veränderung dieser Haltung wäre denkbar, „sobald die AfD ihre bundesweite Isolation überwindet oder wenn sie Positionen wie den 'Dexit', den Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union, mit Nachdruck verfolgt“, so Köhler-Heil. In diesem Fall wären deutliche Kursausschläge an den Börsen zu erwarten. Auch die Debatte um eine potenzielle Wiedereinführung der D-Mark würde als äußerst problematisch angesehen.
Der Dexit würde Deutschland nach Ansicht Köhler-Heils in eine wirtschaftliche Katastrophe stürzen. „Als stark exportorientierte Nation, deren Wirtschaft maßgeblich vom Export abhängt, wäre ein Dexit das schlimmste denkbare Szenario.“ Ein Austritt aus der EU würde deutsche Unternehmen mit erheblichen Exporthemmnissen konfrontieren, ausländische Investitionen abschrecken und die Attraktivität Deutschlands als Investitionsstandort erheblich mindern.
Welche Sektoren wären von einem Dexit am stärksten betroffen? „Insbesondere die Automobilindustrie, aber auch der Maschinenbau und alle Firmen, die maßgeblich vom Export abhängen, gerieten in große Schwierigkeiten“, erklärt Köhler-Heil. Dies würde wiederum Arbeitsplätze in diesen Branchen gefährden.
Doch nicht allein ein Dexit könnte die Finanzmärkte beunruhigen. Eine Regierungsbeteiligung der AfD auf Landes- oder Bundesebene, die weitreichende Einflüsse auf den Staatshaushalt, die Einwanderungspolitik oder die Energiewende hätte, könnte ebenfalls erhebliche Verunsicherung unter den Anlegern stiften.
Gegenwärtig herrscht an den Finanzmärkten noch eine gewisse Ruhe. Diese Stimmung könnte sich jedoch rasch ändern, sollte die AfD weiterhin an Einfluss gewinnen und eine tatsächliche Regierungsbeteiligung in den Bereich des Möglichen rücken.