In einem aufschlussreichen Gespräch mit Gordon Repinski, Redakteur bei Politico, gab Sinan Selen, der Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), tiefe Einblicke in die komplexen Bedrohungen, denen die deutsche Demokratie gegenwärtig ausgesetzt ist. Selen hob hervor, dass die innere Sicherheit Deutschlands durch eine Vielzahl von Gefahrenkomplexen herausgefordert wird, die ein umfassendes und strategisches Vorgehen erfordern. Ein zentraler Fokus der Diskussion lag auf dem Extremismus in seinen unterschiedlichen Ausprägungen. Selen erläuterte, dass sowohl der Rechtsextremismus als auch der Linksextremismus und der islamistische Extremismus weiterhin erhebliche Risiken darstellen. Er betonte, dass diese Strömungen die freiheitliche demokratische Grundordnung untergraben wollen und der Verfassungsschutz ihre Aktivitäten mit höchster Priorität beobachtet und bekämpft. Besonders die Gewaltbereitschaft und das Potenzial zur Destabilisierung durch extremistische Akteure wurden hervorgehoben. Neben den internen extremistischen Bedrohungen widmete sich Selen auch den externen Gefahren. Er wies auf die zunehmende Intensität ausländischer Spionageaktivitäten hin, die darauf abzielen, staatliche Geheimnisse, Wirtschaftsdaten und technologisches Know-how Deutschlands zu erlangen. Parallel dazu stellen Cyberangriffe eine wachsende Gefahr dar, die sowohl von staatlichen Akteuren als auch von kriminellen oder extremistischen Gruppen ausgehen können. Diese Angriffe zielen auf kritische Infrastrukturen, Datennetze und die staatliche Handlungsfähigkeit ab. Der Vizepräsident des BfV unterstrich die entscheidende Rolle der Prävention. Es sei nicht ausreichend, nur auf akute Bedrohungen zu reagieren; vielmehr sei es unerlässlich, frühzeitig entgegenzuwirken, um die Entstehung und Verbreitung extremistischer Ideologien und feindlicher Aktivitäten zu verhindern. In diesem Zusammenhang betonte Selen auch die unerlässliche Bedeutung der Zusammenarbeit. Nur durch eine enge Kooperation zwischen den verschiedenen Sicherheitsbehörden auf nationaler und internationaler Ebene sowie mit zivilgesellschaftlichen Akteuren könne die innere Sicherheit wirksam gewährleistet und die Verfassung nachhaltig geschützt werden. Das Gespräch beleuchtete zudem das Spannungsfeld, in dem sich der Verfassungsschutz bewegt: das Austarieren von Freiheit und Sicherheit. Selen machte deutlich, dass das BfV stets im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben handelt, um die Rechte der Bürger zu wahren, während es gleichzeitig seine Aufgabe erfüllt, die Demokratie vor ihren Feinden zu schützen. Die strategische Ausrichtung des Amtes zielt darauf ab, wachsam und anpassungsfähig zu bleiben, um den sich ständig weiterentwickelnden Bedrohungslandschaften begegnen zu können und die Resilienz der deutschen Gesellschaft zu stärken.