Deutschlands Einzelhandel im Rückzug: Weniger als 300.000 Filialen erwartet
Die Anzahl der Geschäfte im deutschen Einzelhandel hat im vergangenen Jahr erneut deutlich abgenommen. Ende 2023 zählte der Branchenverband HDE lediglich 301.700 Filialen. Dies bedeutet einen Verlust von rund 9.500 Standorten innerhalb eines Jahres. Eine der F.A.Z. vorliegende Prognose des HDE deutet darauf hin, dass diese Zahl im laufenden Jahr erheblich weiter sinken wird.
Es wird erwartet, dass die Marke von 300.000 Geschäften bis zum Jahresende 2024 erstmals seit vielen Jahren unterschritten wird. Seit 2015 hat sich die Gesamtzahl der Läden um 47.000 reduziert, was einem Rückgang von etwa 13,5 Prozent entspricht.
Der Hauptgrund für diesen Schrumpfungsprozess ist der stetig expandierende Onlinehandel. Hinzu kommen steigende Kosten, insbesondere für Energie, Mieten und Personal, sowie eine allgemeine Zurückhaltung der Konsumenten beim Einkaufen.
Besonders stark betroffen sind Branchen wie der Textil-, Schuh- und Schreibwarenhandel. Im Lebensmitteleinzelhandel ist eine Verschiebung zu beobachten: Während große Supermarkt- und Discounterketten ihre Marktanteile ausbauen, verlieren kleinere Geschäfte zunehmend an Bedeutung.
Der HDE rechnet auch für die kommenden Jahre mit einem anhaltenden Abwärtstrend. Laut Prognose könnte die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland bis zum Jahr 2030 um weitere 40.000 bis 80.000 Standorte schrumpfen.
Alexander Genth, der Präsident des HDE, bezeichnete die aktuelle Entwicklung als „dramatische Situation“. Er forderte politische Maßnahmen, um die Geschäfte in den Innenstädten und lokalen Zentren zu erhalten. Die Folge dieser Entwicklung sind zunehmend leerstehende Ladenlokale, vor allem in kleineren Städten.
Als notwendige Schritte nannte Genth einen „echten Bürokratieabbau“, wettbewerbsfähige Strompreise und Investitionen in eine leistungsfähige digitale Infrastruktur.