Deutschland prüft ukrainische Militärinnovationen: Pistorius beeindruckt von Kreativität im Kriegsfall
Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius äußerte sich während seines Aufenthalts in der Ukraine zutiefst beeindruckt von der Schöpferkraft und dem Innovationsgeist, den das Land angesichts des anhaltenden russischen Aggressionskrieges an den Tag legt. Er beabsichtigt, zu untersuchen, inwiefern Deutschland aus diesen Erfahrungen lernen und spezifische ukrainische Fortschritte für die Bundeswehr übernehmen könnte.
In Begleitung seines ukrainischen Kollegen Rustem Umjerow besichtigte Pistorius in Kiew eine Präsentation ukrainischer Neuentwicklungen auf dem Gebiet der Drohnentechnologie und defensiver Abwehrsysteme. Hierbei tauschte er sich auch mit den beteiligten Entwicklern und Erfindern aus. Ein Sprecher Umjerows bestätigte am Samstag, dass der deutsche Minister "tatsächlich beeindruckt" gewesen sei.
Besonders im Segment der unbemannten Flugobjekte (Drohnen) sowie bei der elektronischen Kampfführung – also der Technologie zur Neutralisierung feindlicher Drohnen – hat sich die Ukraine in den zwei Jahren seit Beginn der russischen Invasion laut Umjerow zu einem "lebenden Labor" transformiert. Die Innovatoren reagierten "zügig, anpassungsfähig und ideenreich" auf die durch den Konflikt entstehenden Anforderungen.
Pistorius bemerkte: "Die Fortschritte in der Ukraine vollziehen sich mit einer immensen Geschwindigkeit. Dabei sind die Ukrainer uns weit voraus." Er hob eine "außergewöhnliche Kreativität" hervor, die unter Umständen gedeiht, "die wir uns hierzulande nicht ausmalen können".
Die gezeigte Ausstellung umfasste unter anderem FPV-Drohnen (First Person View), welche mittels einer Videobrille gelenkt werden. Diese werden von den ukrainischen Streitkräften in großer Stückzahl für Aufklärungseinsätze sowie zur Bekämpfung von gegnerischen Truppen und Kriegsmaterial verwendet. Des Weiteren wurden Aufklärungsdrohnen vorgestellt, die fähig sind, die feindliche Flugabwehr vom Boden aus zu deaktivieren, sowie ferngesteuerte Bodenroboter, die beispielsweise Munition befördern.
Pistorius hob hervor, dass nun untersucht werden solle, wie diese "außerordentlich raschen und wirksamen Innovationen" in die Strukturen der Bundeswehr und in die deutsche Verteidigungsindustrie überführt werden könnten. Er fügte hinzu: "Daraus ergeben sich auch enorme Möglichkeiten für eine zukünftige Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine."
Umjerow sprach eine Einladung an Deutschland aus, in die Ukraine zu investieren und somit an der Fortentwicklung neuartiger Verteidigungstechnologien und der zeitgemäßen Kriegführung mitzuwirken. "Wir sind nicht nur im Kampf um die Bewahrung unserer Souveränität von Bedeutung, sondern tragen auch zur Evolution der modernen Welt bei", erklärte der ukrainische Minister.
Zum zweiten Jahrestag der russischen Invasion bekräftigte Pistorius am Samstag in Kiew, dass Deutschland nach den Vereinigten Staaten von Amerika der zweitgrößte Unterstützer der Ukraine im Kampf gegen den russischen Angriff ist.