Deutlicher Anstieg der Gaspreise für Neukunden in Deutschland
Seit Jahresbeginn sind die Gaspreise für neue Vertragskunden in Deutschland erheblich gestiegen. Im April lagen sie 21 Prozent über dem Niveau vom Januar, was eine Analyse des Vergleichsportals Verivox offenbart und eine Umkehrung des sinkenden Preistrends aus dem Jahr 2023 darstellt.
Ein durchschnittlicher Haushalt mit einem jährlichen Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden (kWh) muss im April durchschnittlich 10,95 Cent pro kWh für einen neuen Gasliefervertrag zahlen. Im Januar dieses Jahres betrug der Preis noch 9,03 Cent/kWh. Zum Vergleich: Im November 2023 war Gas für Neukunden mit durchschnittlich 7,89 Cent/kWh so günstig wie seit anderthalb Jahren nicht mehr, nachdem es im Januar 2023 noch bei 12,01 Cent/kWh gelegen hatte.
Die Hauptursachen für diesen Preisanstieg sind staatlich bedingte Abgaben, Gebühren und Steuern. Zum 1. Januar 2024 wurden die Netznutzungsentgelte erhöht und die CO2-Steuer von 30 auf 45 Euro pro Tonne angehoben. Zudem ist der Mehrwertsteuersatz für Gas von 7 auf 19 Prozent zurückgekehrt.
Diese Entwicklung betrifft in erster Linie Verbraucher, die aktuell einen neuen Gasvertrag abschließen müssen oder deren bestehender Vertrag bald ausläuft. Kunden mit bestehenden Festpreisverträgen sind von diesen Preisänderungen zunächst nicht betroffen.
Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox, erklärt, dass die Zunahme der Gaspreise nahezu vollständig auf staatliche Vorgaben und Umlagen zurückzuführen ist, während die Großhandelspreise für Gas im langfristigen Vergleich auf einem normalen Niveau verharren. Storck prognostiziert, dass sich die Preise in den kommenden Monaten stabilisieren oder leicht sinken könnten, warnt jedoch davor, dass eine erneute Anpassung des Mehrwertsteuersatzes einen weiteren Preisschub auslösen würde.
Auch die Strompreise für Neukunden haben seit Jahresbeginn zugelegt, wenn auch weniger dramatisch. Im April lagen sie durchschnittlich 6,7 Prozent über dem Niveau vom Januar. Für einen neuen Stromvertrag zahlt ein durchschnittlicher Haushalt mit 4000 kWh Jahresverbrauch im April 29,53 Cent pro kWh, verglichen mit 27,67 Cent/kWh im Januar.
Trotz der Preiserhöhungen sind die deutschen Gasspeicher momentan zu über 60 Prozent gefüllt, und der Gasimport, unter anderem aus Norwegen, ist weiterhin stabil.