In Wien hat sich die Anzahl der Verordnungen für suchterzeugende Medikamente in den letzten sechs Jahren, laut Daten des Gesundheitsministeriums, signifikant erhöht. Diese Entwicklung bereitet Ärzten zunehmend Sorgen. Zwischen 2017 und 2023 stieg die Zahl der Verschreibungen um beachtliche 37 Prozent an. Besonders betroffen sind Benzodiazepine, sogenannte Z-Substanzen (wie Zopiclon oder Zolpidem) sowie Pregabalin. Benzodiazepine, die ein hohes Suchtpotenzial aufweisen, werden typischerweise zur Behandlung von Angstzuständen, Schlafstörungen und Muskelverspannungen eingesetzt. Die Ärztekammer Wien schlägt angesichts dieses Trends Alarm und warnt vor einer „stillen Sucht“, die weite Teile der Bevölkerung betreffen könnte. Häufig werden diese Präparate zur Bewältigung psychischer Belastungen verschrieben. Ärzte stehen hierbei vor einem Dilemma: Einerseits besteht seitens der Patienten ein Erwartungsdruck auf schnelle Linderung, andererseits mangelt es oft an zugänglichen therapeutischen Alternativen, insbesondere an ausreichenden Therapieplätzen. Der ehemalige Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein unterstreicht, dass der Mangel an psychiatrischer Versorgung und adäquaten Therapieangeboten ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung ist. Die Sucht- und Drogenkoordination Wien (SDW) setzt mit Präventionsprogrammen an, die auf eine umsichtige Verschreibungspraxis und regelmäßige Überprüfung der Medikation abzielen. Das übergeordnete Ziel bleibt die frühzeitige Erkennung und die Vermeidung von Abhängigkeiten.