Der Wald der Zukunft: Warum Vielfalt entscheidend ist und wie er sich wandeln muss
Der Internationale Tag des Waldes am 21. März lenkt die Aufmerksamkeit auf die essenzielle Rolle unserer Wälder und ihre gleichzeitig prekäre Lage. Die deutschen Forstgebiete haben in den letzten Jahren erheblich unter Dürreperioden, hohen Temperaturen, Stürmen und der Ausbreitung des Borkenkäfers gelitten. Laut Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) befindet sich der Wald „unter einem beispiellosen Druck“.
Während in den 1980er Jahren die Bedrohung durch sauren Regen die öffentliche Diskussion um die deutschen Wälder dominierte, ist es heute der Klimawandel. „Es ist uns bewusst, dass wir den uns vertrauten Wald in vielen Regionen nicht mehr in seiner bisherigen Form bewahren können“, erklärt Marx. Die Transformation der Wälder habe bereits begonnen, müsse jedoch noch erheblich beschleunigt werden.
Deutschland verfügt über eine Waldfläche von über 11 Millionen Hektar, was einem Drittel der gesamten Landfläche entspricht. Etwa die Hälfte dieser Wälder ist in Privatbesitz, während der übrige Teil von Bund, Ländern oder Gemeinden verwaltet wird. Lange Zeit war die Fichte die dominierende Baumart, insbesondere in Gebieten wie dem Harz oder dem Erzgebirge, wo sie vorrangig für die Holzproduktion angebaut wurde.
„Dieses Modell war sehr erfolgreich für die Gewinnung von Bau- und Papierholz“, bemerkt Marx. Das Manko: Fichten wachsen zwar zügig, sind aber nicht besonders widerstandsfähig. Sie reagieren empfindlich auf ausgeprägte Trockenperioden, sind sturmanfälliger und dadurch eine leichte Beute für den Borkenkäfer. Gemäß dem Prinzip „Monokultur zerstört sich selbst“ verbreiten sich diese Schädlinge rasant.
Die Konsequenz war die Rodung riesiger Fichtenbestände, wodurch heute ganze Berghänge kahl erscheinen. Bund und Länder planen, bis zum Jahr 2026 insgesamt 900 Millionen Euro in die Umgestaltung der Wälder zu investieren. Forstwirtschaft ist jedoch ein Langzeitprojekt: „Ein Waldumbau lässt sich nicht innerhalb von fünf oder zehn Jahren realisieren; dieser Prozess nimmt 50, 100 oder sogar 150 Jahre in Anspruch“, erläutert Marx.
Der „Zukunftswald“ muss demnach wesentlich diverser gestaltet werden. Es gilt, eine Mischung aus verschiedenen Laub- und Nadelbaumarten zu entwickeln, die optimal an die spezifischen Standortbedingungen angepasst sind und den Auswirkungen des Klimawandels standhalten können. Einheimische Arten wie Buche und Eiche sollen dabei wieder verstärkt vertreten sein.
Gleichzeitig sind auch nicht-heimische Baumarten gefragt. „Wir benötigen Bäume, die sowohl Dürreperioden widerstehen als auch eine nachhaltige Holznutzung ermöglichen“, erklärt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband (DJV). Er nennt hier die Douglasie, die Tanne und die Lärche als Beispiele. Darüber hinaus soll die natürliche Verjüngung des Waldes wieder eine größere Bedeutung erhalten.
In zahlreichen Gebieten entwickeln sich bereits die Wälder von morgen. „Hierbei ist es die Aufgabe der Försterinnen und Förster, geeignete Baumarten auszuwählen und junge Pflanzen zu schützen“, so Marx. Eine zu hohe Wildtierpopulation, insbesondere von Rehen, behindere jedoch die natürliche Entwicklung erheblich.
Marx führt aus: „Rehe bevorzugen junge Triebe von Laub- und Nadelbäumen als Nahrung.“ Um die Wildbestände zu kontrollieren, sei eine Anpassung der Jagdpraktiken unerlässlich – ein, wie er es nennt, „kontroverses Thema“. Dennoch seien bereits positive Resultate erzielt worden, wo sich Wald und Wild in einem „ausgewogenen Verhältnis“ entwickelt haben.
Marx betont jedoch, dass das bloße Pflanzen von Bäumen nicht genügt. „Wir müssen uns genau überlegen: Welcher Baum gedeiht wo am besten, und wie ist die Wasserversorgung vor Ort? Das ist eine eigenständige Wissenschaft“, sagt er. Folglich sei die Forschung von entscheidender Bedeutung, um effektive Strategien für die Waldumgestaltung zu entwickeln.
Wälder dienen jedoch nicht nur als Lieferanten von Rohstoffen, sondern auch als „natürliche Klimaanlagen“ für urbane Gebiete und als Orte der Erholung. „Der Wald erbringt zahlreiche Leistungen, die auch finanziell honoriert werden sollten“, argumentiert Marx. Bund und Länder hätten dies zwar erkannt, müssten jedoch ihre Unterstützung für Waldbesitzer noch intensivieren.
Forschung und Entwicklung spielen hierbei eine zentrale Rolle, beispielsweise am Helmholtz-Zentrum in Leipzig. „Wir unterhalten im Leipziger Auwald eine Forschungsfläche, die wir seit über zwei Jahrzehnten studieren, um die Widerstandsfähigkeit des Waldes zu erhöhen“, berichtet Marx.
Die Transformation zu einem zukunftsfähigen Wald stellt eine gewaltige Herausforderung dar. „Es handelt sich um ein Langzeitprojekt, ein Vorhaben über Generationen“, so Marx. Trotzdem ist er zuversichtlich, dass es gelingen wird, die Wälder für die kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte resilient zu gestalten.