Obwohl die Benzinpreise an den Tankstellen oft als hoch empfunden werden, liegt der inflationsbereinigte Wert für Kraftstoff in Deutschland aktuell auf einem ähnlichen Niveau wie vor anderthalb Jahrzehnten. Diese Erkenntnis stammt aus einer gemeinsamen Analyse des ADAC und des Statistischen Bundesamtes. Nach Angaben des ADAC betrug der durchschnittliche Literpreis für Super E10 im Mai 2024 1,838 Euro. Gleichzeitig weist das Statistische Bundesamt aus, dass der Verbraucherpreisindex im Zeitraum von Mai 2009 bis Mai 2024 um 47 Prozent zunahm. Berücksichtigt man diese Inflation bei der Betrachtung der damaligen Benzinpreise, zeigt sich ein erstaunliches Ergebnis. Im Mai 2009 lag der Preis für einen Liter Superbenzin bei etwa 1,39 Euro. Um diesen Wert an die gestiegene Kaufkraft von heute anzupassen – unter Berücksichtigung der 47-prozentigen Inflation – müsste der Liter Benzin aktuell 2,043 Euro kosten. Dies bedeutet, dass der aktuelle Preis von 1,838 Euro pro Liter real gesehen signifikant unter dem Preisniveau von vor 15 Jahren liegt. Noch höher war der reale Benzinpreis im Jahr 2012, als ein Liter Super 1,67 Euro kostete, was einem heutigen inflationsbereinigten Wert von 2,27 Euro entspräche. Auch der Dieselkraftstoff war im Mai 2009 mit 1,20 Euro pro Liter günstiger als Superbenzin. Um die damaligen 1,20 Euro auf das heutige Preisniveau umzurechnen, müsste der Liter Diesel 1,764 Euro kosten. Der aktuelle Durchschnittspreis von 1,705 Euro pro Liter im Mai 2024 zeigt, dass auch Diesel real günstiger ist als vor 15 Jahren. Die Preisgestaltung für Benzin wird durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt. Entscheidend sind hierbei der Rohölpreis, die Entwicklung des Wechselkurses zum US-Dollar sowie die erhobenen Steuern und Abgaben. In Deutschland machen diese einen beträchtlichen Teil des Endpreises aus: Die Energiesteuer beläuft sich auf 65,45 Cent je Liter bei Benzin und 47,04 Cent bei Diesel. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer von 19 Prozent, die auf den Gesamtbetrag aufgeschlagen wird. Ungeachtet dieser objektiven Daten empfinden viele Konsumenten die Benzinpreise subjektiv als äußerst hoch. Eine alleinige Fokussierung auf die Nominalpreise, ohne die Inflationsanpassung zu berücksichtigen, kann diese verzerrte Wahrnehmung erklären.