Der Iran: Die klerikale Führung hat die Kontrolle über das Volk verloren
Obwohl die klerikale Führung im Iran weiterhin offiziell die Macht innehat, hat sie ihre tatsächliche Herrschaft über die Bevölkerung weitgehend eingebüßt. Das Regime der Mullahs regiert das Land primär durch Zwang und Gewalt, da es die Zustimmung und Loyalität seiner Bürger, insbesondere der jüngeren Generation, kaum noch besitzt.
Ein entscheidender Wendepunkt war der Tod von Jina Mahsa Amini, der landesweite Proteste auslöste. Diese Demonstrationen, oft unter dem Slogan „Frau, Leben, Freiheit“, zeigten eine tiefe Entfremdung zwischen dem Staat und großen Teilen der Gesellschaft auf. Besonders Frauen widersetzen sich offen dem obligatorischen Hijab-Gesetz, was nicht nur ein Zeichen individuellen Protests ist, sondern auch eine symbolische Herausforderung der staatlichen Autorität darstellt.
Die ehemals wirksame Angst als Kontrollmechanismus hat ihre Wirkung weitgehend verloren. Viele Bürger, insbesondere junge Menschen, sind zunehmend bereit, ihren Unmut auszudrücken und Akte des zivilen Ungehorsams zu begehen. Dies deutet auf einen Bruch im sozialen Vertrag zwischen Regierung und Regierten hin.
Die Reaktion des Regimes, die sich durch brutale Repression, Massenverhaftungen und Hinrichtungen auszeichnet, verdeutlicht die Abhängigkeit von physischer Gewalt anstelle von Legitimität. Diese harten Maßnahmen verstärken lediglich die Ablehnung in der Bevölkerung, anstatt sie zu unterdrücken.
Zusätzlich tragen wirtschaftliche Notlagen, weit verbreitete Korruption und fehlende Zukunftsperspektiven, besonders für die Jugend, zum allgemeinen Unmut bei. Diese Faktoren verschärfen die Desillusionierung mit der geistlichen Führung erheblich.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Mullahs zwar durch ihren Sicherheitsapparat weiterhin die formale Macht ausüben, aber die Fähigkeit zur tatsächlichen Regierung mit Volksnähe oder breiter Zustimmung verloren haben. Die iranische Gesellschaft hat sich innerlich von dem herrschenden System distanziert, was zu einem anhaltenden Zustand des gesellschaftlichen Konflikts anstatt eines Konsenses führt.