Angesichts der stark gestiegenen Energiekosten fordert Carlo Bonomi, der Präsident des italienischen Industrieverbandes Confindustria, eine vorübergehende Stilllegung des europäischen Emissionshandelssystems (ETS). Er erachtet diese Maßnahme als unentbehrlich, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu wahren und eine zusätzliche Belastung für die Unternehmen zu vermeiden. Bonomi äußerte sich am Dienstag in Rom zutiefst besorgt über die Entwicklung der Energiepreise, die sich direkt auf die Produktionskosten der italienischen Betriebe auswirken und die Gefahr bergen, die Wirtschaftsaktivität zu ersticken. Der Mechanismus des ETS, welcher den Handel mit CO2-Emissionsberechtigungen vorsieht, treibt die Energiekosten zusätzlich in die Höhe. Während europäische Unternehmen durch diese Mehrkosten einen Nachteil erleiden, entfällt dieser für Konkurrenten außerhalb Europas, was potenziell eine Deindustrialisierung des Kontinents nach sich ziehen könnte. Bonomi betonte, dass eine temporäre Unterbrechung des Systems den Firmen eine Atempause verschaffen und ihnen die Möglichkeit geben würde, sich an die herausfordernden Marktbedingungen anzupassen. Er schlug vor, die durch das ETS generierten Einnahmen stattdessen zur Unterstützung der Unternehmen einzusetzen, anstatt sie die Kosten weiter in die Höhe treiben zu lassen. Confindustria sieht die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten in der Pflicht, rasch Maßnahmen zur Milderung der Energiekrise zu implementieren. Neben der Stilllegung des ETS wurden auch andere Vorschläge, wie die Entkopplung der Strompreise von den Gaspreisen, erörtert. Die italienische Industrie, so Bonomi, sei bereit, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, dies dürfe jedoch nicht ihre Existenzgrundlage gefährden. Die derzeitige Lage erfordere praktikable Lösungen, die sowohl umweltbezogene als auch wirtschaftliche Faktoren berücksichtigen.