Herr Fritz, Werder Bremen startete das Jahr 2024 mit einem 1:1-Unentschieden in Bochum. Betrachten Sie dies als einen gewonnenen oder zwei verlorene Punkte? Clemens Fritz: Angesichts des Spielverlaufs und der Tormöglichkeiten hätten wir diese Partie gewinnen müssen. Allerdings demonstrierten wir in Bochum erneut Qualitäten, die in der ersten Saisonhälfte gefehlt hatten: die Lauffreudigkeit und die defensive Einstellung. Für den ersten Auftritt im neuen Jahr war es akzeptabel, obwohl unser Ziel der volle Punktgewinn war. Nach den Siegen gegen Augsburg und Gladbach und dem Unentschieden in Bochum scheint sich ein positiver Trend abzuzeichnen. Ist diese Entwicklung Ihrer Meinung nach nachhaltig? Clemens Fritz: Ja, ich glaube schon, dass wir seit Ende Herbst eine Wende im Trend erleben. Wir haben die Phase mit einfachen Gegentoren hinter uns gelassen und verteidigen viel stabiler. Man spürt, dass die Mannschaft konzentrierter ist und ihre Aufgaben besser erfüllt. Wir haben intensiv an der Defensive gearbeitet und dadurch mehr Kontrolle über die Spiele erlangt. Wie schätzen Sie die mentale Verfassung des Teams ein? In der Vergangenheit neigte die Mannschaft manchmal dazu, vermeintlich schwächere Gegner zu unterschätzen. Clemens Fritz: Das stimmt, diese Tendenz gab es in der Vergangenheit. Doch ich bin überzeugt, dass die Mannschaft daraus gelernt hat. Wir wissen, dass wir in jedem Spiel 100 Prozent geben müssen, um erfolgreich zu sein. Jede Form von Überheblichkeit ist absolut unnötig und schadet uns nur. Welchen Einfluss hat Trainer Ole Werner auf diese Verbesserungen? Clemens Fritz: Ole Werner leistet hervorragende Arbeit. Er verfolgt seine Linie konsequent, seine Vorstellungen sind klar, und er achtet auf jedes Detail. Er hat die Mannschaft taktisch weiterentwickelt, wie das zuletzt erfolgreich eingeführte 3-5-2-System zeigt. Er genießt unser volles Vertrauen, und wir sind sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Es gab Spekulationen um Marvin Ducksch und Leonardo Bittencourt. Gibt es konkrete Anfragen oder Angebote? Clemens Fritz: Für Marvin Ducksch und Leonardo Bittencourt liegen uns derzeit keine Anfragen oder konkreten Angebote vor. Beide sind wichtige Spieler für uns, und wir gehen davon aus, dass sie uns erhalten bleiben. Ein Transfer kommt für uns nur infrage, wenn er für alle Beteiligten sinnvoll ist. Wie bewerten Sie die bisher schwierige Integration von Naby Keïta, der erneut mit Verletzungen zu kämpfen hatte? Clemens Fritz: Wir waren uns bei Naby Keïta bewusst, dass er eine Verletzungshistorie mitbringt. Es ist bedauerlich, dass er wiederholt ausfällt. Wir hoffen, dass er bald wieder vollständig fit ist und seine Qualitäten zeigen kann. Wir geben ihm die nötige Zeit und Unterstützung. Am Wochenende steht das Spiel gegen RB Leipzig an. Was erwarten Sie von dieser Partie? Clemens Fritz: Leipzig ist eine absolute Spitzenmannschaft mit hoher individueller Qualität und einem intensiven Pressing. Wir müssen taktisch diszipliniert agieren, mutig den Ball halten und unsere defensive Stärke unter Beweis stellen. Es wird eine große Herausforderung, aber wir sind bereit. Wie sieht es mit der finanziellen Situation aus? Ist Werder in der Lage, auf dem Transfermarkt aktiv zu werden? Clemens Fritz: Wir agieren weiterhin verantwortungsbewusst und risikoarm. Wir sind finanziell stabil, aber wir werden keine unvernünftigen Ausgaben tätigen. Im Januar könnten punktuelle Kaderanpassungen vorgenommen werden, wenn sich geeignete Gelegenheiten ergeben, die unser Team verstärken. Unser Fokus liegt auf nachhaltiger Entwicklung und langfristiger Planung. Welche Ziele verfolgt Werder Bremen langfristig? Clemens Fritz: Unser Ziel ist es, Werder Bremen kontinuierlich weiterzuentwickeln und uns fest in der Bundesliga zu etablieren. Wir wollen Schritt für Schritt vorangehen, unsere Spieler weiterentwickeln und eine Mannschaft formen, die dauerhaft konkurrenzfähig ist. Dabei bleiben wir unseren Werten treu und handeln wirtschaftlich vernünftig.