Chinas verdeckte Seemiliz: Tausende Fischerboote als Instrument der Macht im Südchinesischen Meer
Chinas maritime Miliz, die sich aus Tausenden von scheinbaren Fischerbooten zusammensetzt, ist ein zentrales, doch oft übersehenes Werkzeug in Pekings Strategie, seine Ansprüche im umstrittenen Südchinesischen Meer geltend zu machen. Diese Flotte agiert verdeckt, was es anderen Nationen erschwert, angemessen darauf zu reagieren. Sie ist weniger "geheim" als vielmehr "leugbar" – eine Taktik, die China ermöglicht, maritime Präsenz zu zeigen, ohne direkte militärische Konfrontationen zu riskieren.
Die sogenannte "Volksbewaffnete Maritime Miliz" (PAFMM) stellt eine immense Flotte dar, deren Größe auf über 200.000 Schiffe geschätzt wird. Diese Einheiten werden systematisch modernisiert und aufgerüstet. Viele der scheinbaren Fischerboote werden mit staatlichen Subventionen gebaut und verfügen über verstärkte Rümpfe, fortschrittliche Kommunikationssysteme sowie Wasserwerfer. Es handelt sich hierbei nicht um gewöhnliche Fischerboote, sondern um Spezialschiffe, die für maritime Operationen konzipiert sind.
Die Aktionen dieser Miliz sind vielfältig: Sie belästigen philippinische Schiffe in der Nähe des Scarborough-Riffs, umzingeln von Vietnam beanspruchte Inseln wie Thitu Island (Pag-asa) und manifestieren Chinas Präsenz in den umstrittenen Gewässern. Ihr Einsatz fällt in die Kategorie der "Grauzonen-Strategie", die bewusst unterhalb der Schwelle eines militärischen Konflikts operiert. Dies schafft ein Dilemma für andere Staaten, da ein Angriff auf ein vermeintliches "Fischerboot", selbst wenn es staatlich kontrolliert ist, als kriegerische Handlung interpretiert werden könnte.
Die Miliz unterliegt einer zentralen Steuerung, erhält umfassende Ausbildung und verfügt über spezielle Stützpunkte. Die Besatzungen bestehen oft aus ehemaligen Militärangehörigen oder sind für die Zusammenarbeit mit dem Militär geschult. Ergänzt wird dies durch spezialisierte "professionelle maritime Miliz"-Einheiten, die gezielt für diese Aufgaben eingesetzt werden.
Die internationale Gemeinschaft beobachtet dies mit Sorge. Die Philippinen bezeichnen die Milizionäre als "kleine blaue Männer". US-Beamte warnen vor den Gefahren dieser Taktik. Admiral John Aquilino vom Indo-Pazifik-Kommando der USA unterstreicht die Schwierigkeit, diese Schiffe von zivilen Fischerbooten zu unterscheiden, und betont ihre Rolle bei aggressiven Aktionen.
Die schiere Anzahl dieser Schiffe verschafft China einen erheblichen Vorteil in den umstrittenen Gewässern. Durch das ständige Vorrücken an die Grenzen des internationalen Rechts, ohne direkte militärische Auseinandersetzungen zu provozieren, wird eine "Schwärm"-Taktik angewendet, die kleinere Küstenwachen oder Marineeinheiten überfordern kann.
Diese Strategie ermöglicht es China, seine Kontrolle und seinen Einfluss schrittweise auszuweiten und seine Gebietsansprüche zu festigen, ohne einen ausgewachsenen militärischen Konflikt auszulösen. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil von Chinas sogenannter "Salami-Taktik", bei der kleine Schritte zu größeren Veränderungen führen.