Bundesrat plant Abschaffung physischer Medikamenten-Beipackzettel zur Bekämpfung von Lieferengpässen
Um die langfristige Medikamentenversorgung in der Schweiz zu gewährleisten, schlägt der Bundesrat eine umfassende Neugestaltung des Heilmittelgesetzes vor. Eine Kernidee im Kampf gegen Lieferengpässe ist die Entfernung der gedruckten Packungsbeilage zugunsten einer digitalen Informationsbereitstellung.
Diese Massnahme würde die Produktion und das Verpacken von Arzneimitteln vereinfachen. Insbesondere für kleine Märkte wie die Schweiz stellten die aufwendige Erstellung und Anpassung länderspezifischer Beipackzettel bisher ein erhebliches Hindernis dar.
Neben der Einführung einer digitalen Beilage sind weitere Schritte vorgesehen: Der Verzicht auf die Originalverpackung bei Medikamenten aus dem Ausland, die Erleichterung von Parallelimporten, eine beschleunigte Anerkennung ausländischer Arzneimittelzulassungen sowie Massnahmen zur Verhinderung des Hortens von Medikamenten.
Ziel dieser Reformen ist es, die Attraktivität der Schweiz als Pharmastandort zu steigern und die Sicherheit der Medikamentenversorgung zu erhöhen. Die Digitalisierung der Beipackzettel ist Teil eines umfassenden Katalogs an Massnahmen, den die Landesregierung bereits im Herbst 2023 angekündigt hatte.
Die Umstellung auf digitale Packungsbeilagen wird auch in der Europäischen Union durch ePI-Pilotprojekte vorangetrieben. Befürworter heben hervor, dass digitale Informationen stets aktuell, in mehreren Sprachen verfügbar und umweltfreundlicher sind.
Kritiker äussern jedoch Bedenken hinsichtlich potenzieller Nachteile für Personen, die weniger digital versiert sind, für ältere Menschen oder für jene, die keinen Zugang zum Internet haben.
Der Bundesrat beabsichtigt, die Vernehmlassung bis zum Herbst 2024 abzuschliessen, um die Anliegen aller beteiligten Interessengruppen umfassend berücksichtigen zu können.
Die Vertreter der Pharmabranche, wie Interpharma und Scienceindustries, begrüssen die vorgeschlagenen Änderungen. Sie sehen darin eine Chance zur Verbesserung der Patientenversorgung und eine Stärkung des schweizerischen Forschungsstandortes.
PharmaSuisse reagiert verhaltener. Während die generelle Ausrichtung positiv bewertet wird, werden Herausforderungen in der praktischen Umsetzung und bei der Sicherstellung der Patienteninformation bei einem vollständigen Wegfall der gedruckten Beilage erwartet.
Auch die Schweizerische Patientenorganisation (SPO) äussert sich vorsichtig. Sie fordert eine unkomplizierte und jederzeit zugängliche Informationsbereitstellung und die Gewährleistung, dass keine Patientengruppe benachteiligt wird.