Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Joachim Nagel, hat nachdrücklich vor einer voreiligen Kursänderung in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gewarnt. Er betont, dass es angesichts der weiterhin hartnäckigen Inflation zu früh sei, Spekulationen über Zinssenkungen zuzulassen. Nagel führte auf dem Europäischen Bankenkongress in Frankfurt aus, dass die Kerninflationsrate in der Eurozone, welche die volatilen Preise für Energie und Lebensmittel ausklammert, noch immer bei 4,2 Prozent verharrt. Dieser Wert liege somit signifikant über der angestrebten Marke von zwei Prozent. Insbesondere der Anstieg der Dienstleistungspreise erweise sich als beständig. Der Kampf gegen die Inflation erreicht laut Nagel oft auf der 'letzten Meile' seine größte Herausforderung – eine Formulierung, die er dem ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi zuschrieb. Er betonte, dass die EZB bereit sein müsse, 'whatever it takes' zu tun, um die Inflation auf ihr Zwei-Prozent-Ziel zu senken, eine Anspielung auf Draghis berühmten Satz zur Euro-Rettung. Ein entscheidender Faktor sei auch die Entwicklung der Löhne. Insbesondere in Deutschland seien aktuell sehr hohe Lohnforderungen zu beobachten. Es sei unerlässlich, einer 'Lohn-Preis-Spirale' entgegenzuwirken. Zentralbanken müssten ihren Kurs beibehalten und dürften sich nicht von 'voreiligen Forderungen nach Zinssenkungen' beeinflussen lassen. Stattdessen sei ein 'geduldiges und entschlossenes' Vorgehen weiterhin geboten. Nagel unterstrich unmissverständlich die Entschlossenheit der EZB, ihr Inflationsziel zu realisieren. Eine Anpassung der Zinssätze nach unten sei lediglich dann zu erwägen, wenn sich die Inflationsrate dauerhaft und stabil auf dem angestrebten Niveau befinde.