Blut im Urin: Karls Weg von der Überraschung zur Prostatakrebsdiagnose
„Blut im Urin! Als ich das feststellte, dachte ich wirklich an alles Mögliche, nur nicht an Krebs“, erinnert sich Karl, dessen Name aus Gründen der Diskretion geändert wurde. „Ich hatte gerade meinen 54. Geburtstag gefeiert und fühlte mich körperlich wohl. Ich treibe auch regelmäßig Sport. Es gab keinerlei Indizien, die auf eine mögliche Erkrankung hingedeutet hätten.“ Doch was der dreifache Familienvater zunächst für eine einfache Entzündung hielt, entpuppte sich als erstes Warnsignal für eine gravierende Krankheit. Eine Diagnose, die sein Leben grundlegend umkrempelte: Prostatakrebs.
In Deutschland stellt Prostatakrebs die am weitesten verbreitete Krebsart bei Männern dar. Jährlich erhalten dem Robert Koch-Institut zufolge rund 65.000 Männer diese Diagnose neu. Obwohl dieser Krebs nicht in jedem Fall lebensbedrohlich ist, handelt es sich doch um eine ernstzunehmende Erkrankung, bei der die Aussichten auf Heilung durch eine frühzeitige Erkennung erheblich verbessert werden können.
Auch bei Karl wurde der Prostatakrebs in einem frühen Stadium identifiziert. Der damals 54-Jährige ist erleichtert, umgehend gehandelt und einen Facharzt für Urologie konsultiert zu haben. „Das entsprach eigentlich gar nicht meiner Gewohnheit. Ich ging selten zum Arzt“, erzählt er. Doch die starke Schockreaktion, die er beim Anblick des Blutes empfand, veranlasste ihn zu dieser Ausnahme.
In der Arztpraxis von Karls Urologen wurde seine Situation rasch geschildert. Auf eine körperliche Untersuchung folgten Bluttests, einschließlich des PSA-Tests. PSA, die Abkürzung für „Prostata-spezifisches Antigen“, ist ein Protein, das ausschließlich von Prostatazellen produziert wird. Seine Konzentration im Blut dient der Erkennung einer möglichen Prostatavergrößerung oder -erkrankung. Ein erhöhter Wert kann auf Prostatakrebs hinweisen.
„Mein PSA-Wert war deutlich über dem Normbereich“, berichtet Karl. „Das war der Zeitpunkt, an dem ich begann, mir ernsthaft Sorgen zu machen.“ Sein Urologe empfahl eine Biopsie, bei der eine Gewebeprobe aus der Prostata entnommen wird. Dieses Verfahren ist die einzige Methode, um Prostatakrebs zweifelsfrei zu diagnostizieren. Und tatsächlich bestätigten sich Karls Befürchtungen: Der Befund zeigte Prostatakrebs.
„Prostatakrebs ist eine Tumorerkrankung, deren Häufigkeit im Wesentlichen mit dem Alter der Männer korreliert. Das durchschnittliche Erkrankungsalter beträgt 69 Jahre“, erläutert Professor Dr. Joachim Noldus, Direktor der Urologischen Klinik am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Zu den Risikofaktoren zählt eine genetische Prädisposition, jedoch spielen auch Aspekte des Lebensstils, wie Ernährung und körperliche Aktivität, eine wichtige Rolle.“
Oftmals wird Prostatakrebs im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung entdeckt, die für Männer ab 45 Jahren empfohlen wird. In diesem Stadium ist der Krebs typischerweise noch auf die Prostata begrenzt und hat noch keine Metastasen (sekundäre Tumore) gebildet. Die Heilungsaussichten sind dann ausgesprochen günstig. Wird der Krebs erst in einem späteren Stadium diagnostiziert, haben die Krebszellen häufig bereits gestreut und Metastasen in Knochen, Lunge oder Leber gebildet.
„Es ist entscheidend, dass jeder Mann ab dem 45. Lebensjahr die Gelegenheit zur Krebsfrüherkennung wahrnimmt“, unterstreicht Professor Noldus. „Bedauerlicherweise nehmen nicht genügend Männer dieses Angebot an. Auch nicht alle Hausärzte sprechen diese Empfehlung ausreichend aus. Diese Situation muss sich verbessern.“
Bei Karl wurde der Krebs glücklicherweise frühzeitig identifiziert. Die weiteren Untersuchungen zeigten, dass der Tumor noch nicht metastasiert hatte. Zusammen mit seinem Urologen erörterte er die unterschiedlichen Behandlungsoptionen.
Für Prostatakrebs existieren diverse Behandlungsstrategien. Die Entscheidung für eine bestimmte Therapie richtet sich unter anderem nach dem Alter des Patienten, seinem allgemeinen Gesundheitszustand, dem Tumorstadium, dem PSA-Wert sowie den Präferenzen des Patienten. Zu den primären Therapieoptionen gehören:
* Engmaschige Beobachtung (Aktive Überwachung)
* Chirurgischer Eingriff
* Strahlentherapie
* Hormonbehandlung
* Zytostatika-Therapie (Chemotherapie)
Für Karl war ausschließlich ein chirurgischer Eingriff denkbar. „Ich wollte diesen Tumor so rasch wie möglich eliminieren“, äußerte er. Er wählte eine Operation mittels Da-Vinci-Robotersystem. Hierbei handelt es sich um ein fortschrittliches Verfahren, bei dem der Chirurg nicht direkt am Operationstisch steht, sondern an einer Steuerkonsole Platz nimmt und die robotischen Instrumente dirigiert. Der Roboter führt den Eingriff mit außergewöhnlicher Präzision aus, was insbesondere bei der Entfernung der Prostata von Bedeutung ist, da die für Erektionsfähigkeit und Harnkontrolle wichtigen Nerven geschont werden sollen.
Karls Operation verlief erfolgreich, und er genas zügig. „Ich bin heute wieder vollkommen fit, treibe Sport und erlebe keinerlei Beeinträchtigungen“, erklärt er. „Ich bin sehr dankbar, dass ich umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen habe.“
Seine Botschaft an andere Männer ist eindeutig: „Nehmen Sie die Vorsorgeuntersuchungen wahr! Dies ist von größter Wichtigkeit, da nur so Krebs frühzeitig erkannt und die Heilungschancen maximiert werden können.“
Professor Noldus bekräftigt dies: „Die frühzeitige Erkennung ist von zentraler Bedeutung. Je eher ein Tumor entdeckt wird, desto höher sind die Heilungschancen. Und selbst wenn die Untersuchung als unangenehm empfunden werden mag, so kann sie doch Leben retten.“
Ein erhöhter PSA-Wert allein gibt noch keinen Anlass zur Panik. Er kann ebenfalls auf eine gutartige Vergrößerung der Prostata oder eine Entzündung hindeuten. Es ist jedoch unerlässlich, dass der Urologe die genaue Ursache abklärt.
Anzeichen von Prostatakrebs:
In seinen frühen Phasen zeigt Prostatakrebs oft keine Symptome. Erst wenn der Tumor wächst oder sich ausdehnt, können Beschwerden auftreten, die denen einer benignen Prostatahyperplasie (gutartigen Prostatavergrößerung) ähneln:
* Gesteigerter Harndrang, insbesondere in der Nacht
* Probleme beim Urinieren (abgeschwächter Harnstrahl, post-miktionelles Nachtröpfeln)
* Nachweis von Blut in Urin oder Ejakulat
* Schmerzen beim Urinieren oder beim Samenerguss
* Schmerzen im Bereich des Beckens, Rückens oder der Hüften (im Falle eines fortgeschrittenen Krebsstadiums)