Blamage auf der Weltbühne: Infantinos Friedensappell beim G20-Gipfel verpufft
Während die G20-Länder auf Bali zu einem Treffen zusammenkamen, trat auch FIFA-Präsident Gianni Infantino in Erscheinung. Sein Aufruf zu einer Feuerpause im Krieg in der Ukraine fand jedoch kein Gehör. Der Vorsitzende des globalen Fußballverbandes stellte sich dabei als moralisches Vorbild dar, erntete aber vor allem Hohn und Spott.
Gianni Infantino dürfte sich solche Plattformen häufiger wünschen: Beim G20-Gipfel auf Bali, wo die führenden Wirtschaftsnationen über weltweite Herausforderungen berieten, war der FIFA-Präsident präsent. Elegant gekleidet nutzte Infantino die Gelegenheit, um einen eindringlichen Appell zu lancieren: Eine globale Waffenruhe im Ukraine-Krieg solle für die Dauer der Fußball-Weltmeisterschaft gelten. Mit mahnend erhobenem Zeigefinger betonte der FIFA-Vorsitzende, dass der Konflikt beendet werden müsse, da der Fußball die Fähigkeit besitze, Menschen zu vereinen.
Dieser fromme Wunsch war nicht neu aus dem Mund des FIFA-Chefs. Doch während Infantino seine Botschaft mit großer Geste präsentierte, fiel die Antwort der versammelten Staats- und Regierungschefs eindeutig aus: Es gab schlichtweg keine Reaktion. Weder in den Äußerungen der politischen Entscheidungsträger noch im abschließenden Kommuniqué der G20-Länder wurde Infantinos Forderung erwähnt. Der „selbsternannte Friedensstifter“, wie ihn die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bezeichnete, hatte sich vollends in Verlegenheit gebracht.
**Noch immer keine Einsicht**
Weshalb sollte ein Funktionär eines Sportverbandes gerade auf einem G20-Gipfel zu einer globalen politischen Angelegenheit Stellung nehmen? Insbesondere mit einem Appell, der von naiver Überschwänglichkeit geprägt war? Die Beweggründe hierfür sind wohl allein bei Gianni Infantino zu suchen. Die weltweite Sportberichterstattung verspottete seinen Auftritt. Barney Ronay vom „Guardian“ bezeichnete den Auftritt des FIFA-Vorsitzenden als ein „Meisterwerk unverschämter Heuchelei“ und sprach Infantino „realitätsferne Arroganz“ zu.
Die Ursachen für die heftige Kritik an Infantino sind vielfältig: Als Leiter eines Verbandes, der in den letzten Jahrzehnten eher durch Korruptionsskandale und undurchsichtige Beschlüsse – wie die umstrittene Vergabe der WM an Katar – auffiel, passt ihm die Rolle des moralischen Appellanten denkbar schlecht. Hinzu kommt, dass sowohl die FIFA als auch Infantino selbst in der Vergangenheit kaum Bedenken zeigten, politische Konflikte zu übergehen. Bei der Vergabe der Weltmeisterschaft 2018 an Russland wurde der bereits seit 2014 schwelende Ukraine-Konflikt weitgehend unbeachtet gelassen.
**Infantinos Selbstinszenierung**
Darüber hinaus fügt sich diese Aktion nahtlos in Infantinos Strategie der Selbstinszenierung ein. Schon länger verfolgt der Schweizer das Ziel, seine Position durch die Einführung einer Fußball-Weltmeisterschaft im Zweijahresrhythmus zu stärken, wobei er stets auf Ablehnung seitens der UEFA und anderer Organisationen stößt. Dies bewies sich erneut beim G20-Treffen auf Bali. Sein Auftritt entwickelte sich zu einer Solovorstellung, für die es kein Publikum gab.
Letztlich blieb von Infantinos pompösem Auftritt nicht mehr als Kopfschütteln und Hohn. Sein Bestreben, sich als Schlichter im Ukraine-Krieg zu etablieren, scheiterte vollständig. Der Chef der FIFA hat sich und den Weltverband einmal mehr isoliert.