AWI unter neuer Führung: Hajo Eickens Vision für die Polar- und Meeresforschung
Das Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven hat mit Hajo Eicken einen neuen Direktor erhalten, der frischen Wind in die Ausrichtung der Forschung bringen möchte. Der renommierte Geophysiker, der bereits über ein Vierteljahrhundert am AWI tätig war, sieht das Institut an der Schwelle zu einer Ära, in der umfassende, vernetzte Ansätze und die gesellschaftliche Relevanz der Forschung im Vordergrund stehen.
Eickens zentrale Säulen für die zukünftige Strategie umfassen eine verstärkte Interdisziplinarität, die digitale Transformation sowie eine intensivere Vermittlung von Forschungsergebnissen an Politik und Gesellschaft. Er strebt an, die traditionelle naturwissenschaftliche Forschung mit Erkenntnissen aus den Sozial- und Geisteswissenschaften zu verknüpfen. Ziel ist es, die komplexen Zusammenhänge des Klimawandels und seiner Auswirkungen nicht nur wissenschaftlich zu ergründen, sondern auch ihre sozioökonomischen und kulturellen Dimensionen zu erfassen und zu verstehen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung. Eicken plant, das AWI zu einer führenden „Daten- und Wissensplattform“ auszubauen. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, fortschrittlicher Datenanalyse und Fernerkundung sollen riesige Datenmengen, die beispielsweise durch Expeditionen wie MOSAiC gewonnen werden, effizienter verarbeitet und zugänglich gemacht werden. Dies soll nicht nur die Forschung beschleunigen, sondern auch neue Erkenntnisfelder eröffnen und die Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen erleichtern.
Darüber hinaus betont der neue AWI-Chef die Notwendigkeit, Forschungsergebnisse aktiv in die politischen Entscheidungsprozesse und die öffentliche Debatte einzuspeisen. Angesichts drängender globaler Herausforderungen wie dem raschen Arktisschmelzen, dem Anstieg des Meeresspiegels und dem Verlust der Biodiversität sieht Eicken das AWI in einer Schlüsselposition, um faktenbasierte Grundlagen für nachhaltige Lösungen zu liefern und das Bewusstsein für die Dringlichkeit dieser Themen zu schärfen.
Eicken beabsichtigt zudem, die internationale Kooperation zu intensivieren und die Rolle des AWI als wichtigen Partner in europäischen und globalen Forschungsnetzwerken weiter auszubauen. Er setzt auf einen Dialog, der über Fachgrenzen hinausgeht, um die großen Fragen unserer Zeit gemeinsam zu beantworten. Mit dieser zukunftsorientierten Vision möchte Hajo Eicken das Alfred-Wegener-Institut nicht nur als Exzellenzzentrum für Polar- und Meeresforschung etablieren, sondern auch als einen Motor für eine informierte und nachhaltige Gestaltung unserer Zukunft.