Die anhaltende Debatte über die extrem hohen Beraterprovisionen im Profifußball hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern AG, setzt sich für eine Gehaltsobergrenze und eine strikte Regulierung der Honorare von Spielerberatern ein, da diese die Vereine zunehmend finanziell stark belasten. Besonders kleinere Klubs leiden laut Rummenigge unter den Forderungen der Agenten, wie er in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ ausführte. Er beabsichtigt, dieses Thema bei UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und FIFA-Präsident Gianni Infantino zur Sprache zu bringen. „Die Kontrolle ist uns entglitten“, konstatierte Rummenigge und merkte an: „Die Anzahl der Berater in Deutschland ist inzwischen erschreckend hoch.“ Als prominentester Widersacher tritt Star-Agent Mino Raiola auf, der Rummenigges Aussagen vehement kritisierte. „Rummenigge hat völlig die Orientierung verloren und spricht totalen Bullshit“, sagte Raiola gegenüber der „Sport Bild“. Der Agent, der namhafte Spieler wie Erling Haaland und Zlatan Ibrahimovic betreut, warf Rummenigge Heuchelei vor. „Wenn er sich so um die Vereine sorgt, soll er doch mal mit den Gehaltszahlungen bei Bayern München runtergehen. Oder wenn er der Meinung ist, die Berater verdienen zu viel, dann soll er einfach die Ablösesummen runtersetzen“, forderte Raiola. Er deutete an, Rummenigge sei offenbar „nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Die Vereine haben die Kontrolle nicht verloren, aber Rummenigge und seinesgleichen haben sie verloren. Und jetzt wollen sie nicht, dass die Spieler Freiheit haben und über ihre Berater selbst über ihre Zukunft bestimmen können“, so Raiola weiter. Spielerberater würden ihr Geld verdienen, weil sie „Mehrwerte schaffen. Nicht weil sie von den Vereinen aus Mitleid bezahlt werden. Wir bekommen unser Geld, weil unsere Spieler top sind und wir die besten Verträge für sie rausholen“, betonte Raiola. Der Fußball-Weltverband FIFA plant derzeit eine strenge Begrenzung der Beraterhonorare. Geplant ist eine Kappung der Provisionen bei Spielergehältern auf drei Prozent und bei Ablösezahlungen auf sechs Prozent. Diese Initiative findet bei den Klubs Anklang, wird von den Beratern jedoch abgelehnt. Jährlich erwirtschaften die Agenten weltweit rund 650 Millionen Euro. Bereits 2017 hatte Raiola in einem Interview mit der „Sport Bild“ verkündet, er wolle das Establishment des Fußballs angreifen und zerstören. „Die Uefa, die Fifa, die Deutschen und die Franzosen mit den großen Klubs wollen den ganzen Kuchen allein haben“, erklärte er damals.