Angermünde setzt starkes Zeichen: Erster CSD des Jahres feiert Vielfalt im ländlichen Raum
In Angermünde, einer Stadt im Nordosten Brandenburgs, fand in diesem Jahr der bundesweit erste Christopher Street Day (CSD) statt. Damit setzte die Gemeinde ein klares und frühes Statement für Diversität, Akzeptanz und das queere Leben. Das lokale Bündnis „Angermünde ist bunt“ organisierte die Veranstaltung am Samstag, zu der sich etwa 250 Personen versammelten, um für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans-, Inter- und queeren (LSBTIQ*) Menschen einzustehen. Unter den Teilnehmenden waren sowohl Vertreter der Kommunalpolitik als auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, die sich für ein tolerantes und weltoffenes Zusammenleben aussprachen.
Mit Parolen wie „Wir sind hier, wir sind queer“ bewegten sich die Demonstranten durch die Innenstadt Angermündes. Ihr Ziel war es, die Präsenz queeren Lebens auch abseits großer Metropolen wie Berlin oder Hamburg zu unterstreichen und dessen Zugehörigkeit zum ländlichen Raum zu betonen. Anja Wenk vom organisierenden Bündnis „Angermünde ist bunt“ erklärte: „Wir möchten damit demonstrieren, dass wir ein integraler Bestandteil der Gesellschaft sind und Anspruch auf Akzeptanz und Respekt haben.“
Bereits im letzten Jahr war Angermünde eine der Vorreiterkommunen in Brandenburg, die der Initiative „Regenbogenkommunen“ beigetreten sind. Diese Initiative des Landes Brandenburg, in Kooperation mit dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) sowie weiteren Partnern, zielt darauf ab, die Gleichstellung und gesellschaftliche Akzeptanz von LSBTIQ*-Personen zu stärken. Tobias Dünow, Staatssekretär in der Staatskanzlei und Verantwortlicher für Kultur, betonte in seiner Ansprache auf der finalen Kundgebung am Angermünder Markt: „Es ist essenziell, dass wir als Gesellschaft Diversität zelebrieren und Diskriminierung keinerlei Plattform bieten.“
Frederik Bowman, der parteilose Bürgermeister von Angermünde, äußerte sich ebenfalls positiv über den erfolgreichen Erstlings-CSD. Er betonte: „Es ist ein kraftvolles Signal, dass wir als ländliche Kommune eine solche Teilnehmerzahl mobilisieren konnten.“ Er sicherte zu, sich weiterhin für ein weltoffenes und tolerantes Angermünde einzubringen. Axel Hochbaum vom LSVD Brandenburg unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit von mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz für LSBTIQ*-Personen in ländlichen Gebieten. „Es ist unerlässlich, dass queere Menschen nicht nur in urbanen Zentren, sondern auch auf dem Land Orte finden, wo sie sich geborgen und akzeptiert fühlen können“, so Hochbaum.
Die Atmosphäre war heiter und friedlich. Viele der Demonstrierenden waren in farbenfroher Kleidung erschienen und schwenkten Regenbogenflaggen, während ein DJ-Mobil für musikalische Begleitung sorgte. Die Veranstalter zogen eine durchweg positive Bilanz. „Wir sind von der Resonanz und der Unterstützung überwältigt“, erklärte Anja Wenk. „Dies belegt, dass unser Einsatz Wirkung zeigt und ein erhebliches Bedürfnis nach derartigen Veranstaltungen besteht.“
Für Juli plant das Bündnis „Angermünde ist bunt“ ein „Regenbogen-Fest“. Darüber hinaus sind in diesem Jahr auch in weiteren brandenburgischen Kommunen Christopher Street Days vorgesehen, darunter in Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder). Der CSD in Berlin am 27. Juli wird voraussichtlich erneut Hunderttausende Besucher anlocken.
Anja Wenk betonte die Relevanz der Sichtbarkeit auch in kleineren Städten und Gemeinden, da „Akzeptanz im direkten Umfeld beginnt.“