Amprion plant Rekordinvestitionen für die Energiewende: Netzausbau vorerst gesichert
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion hat das umfangreichste Investitionsprogramm seiner Geschichte angekündigt, das bis zum Jahr 2028 rund 27 Milliarden Euro umfasst. Diese erheblichen Mittel sind dazu bestimmt, den essenziellen Netzausbau in Deutschland voranzutreiben. Als einer der vier führenden deutschen Übertragungsnetzbetreiber – neben Tennet, 50Hertz und TransnetBW – spielt Amprion eine Schlüsselrolle für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende. Die neuen Leitungen sind notwendig, um den in den nördlichen Regionen erzeugten Windstrom effizient in den primär bedürftigen Süden Deutschlands zu leiten, Offshore-Windparks zu integrieren und das gesamte Stromnetz zukunftsfähig zu stärken.
Dieses aktuelle Programm stellt eine signifikante Aufstockung dar, da die vorherige Planung für den Zeitraum bis 2027 noch 15 Milliarden Euro vorsah. Die Notwendigkeit dieser Erhöhung resultiert aus erheblichen Preissteigerungen bei Materialien sowie den zeitaufwendigen und komplexen Genehmigungsverfahren. Dr. Werner Götz, der CEO von Amprion, äußerte gegenüber der F.A.Z. den dringenden Wunsch nach einer Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsprozesse. Zusätzlich hätten auch die Baukosten in jüngster Zeit merklich zugenommen.
Die Finanzierung des Gesamtinvestitionsprogramms von 27 Milliarden Euro über die nächsten fünf Jahre erfolgt bei Amprion durch eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital. Fremdmittel werden hauptsächlich über die Emission von Anleihen und die Aufnahme von Bankkrediten beschafft, während das Eigenkapital von den aktuellen Anteilseignern bereitgestellt wird. Der Energiekonzern RWE hält einen Anteil von 25,1 Prozent an Amprion. Die restlichen 74,9 Prozent werden von einer Holdinggesellschaft gehalten, deren Eigentümer Kommunen, Pensionsfonds und Versicherungen sind. Diese Investoren hatten sich im Jahr 2010 an Amprion beteiligt, nachdem RWE seinen Mehrheitsanteil aufgrund eines Kartellverfahrens veräußern musste.
Der essenzielle Ausbau des Stromnetzes ist vorerst gewährleistet. Götz betonte, dass weder die gestiegenen Energiepreise noch der Konflikt in der Ukraine die Dringlichkeit des Netzausbaus mindern, sondern vielmehr dessen Notwendigkeit unterstreichen. Die deutschen Klimaziele, die einen Anteil von 80 Prozent erneuerbaren Energien bis 2030 vorsehen, machen eine umfassende Modernisierung und Erweiterung des Stromnetzes unabdingbar. Götz hob hervor, dass Amprion ein "verlässliches Investment" darstelle, da das Geschäftsmodell reguliert ist und die Erträge gesetzlich festgelegt sind, was es für Anleger, die auf stabile Erträge setzen, besonders attraktiv macht. Amprion sei entschlossen, seinen Beitrag zum notwendigen Netzausbau zu leisten.
Neben den bereits erwähnten langwierigen Genehmigungsprozessen und den steigenden Baukosten sieht sich das Unternehmen auch mit Engpässen bei der Materialbeschaffung konfrontiert. Götz erklärte, dass die weltweit hohe Nachfrage zu Knappheiten führe, die sowohl Kabel als auch Transformatoren betreffen. Man versuche, dieser Entwicklung durch den Abschluss von Langfristverträgen entgegenzuwirken. Ein weiteres zentrales Problem sei der Mangel an Fachkräften. "Wir suchen dringend Ingenieure und Bauarbeiter", so Götz.
Parallel zum Engagement im Stromnetz ist Amprion auch aktiv an der Entwicklung von Wasserstoff-Infrastrukturprojekten beteiligt, darunter HyPerLink. Im Rahmen dieser Initiative sollen über 700 Kilometer bestehender Gasleitungen für den Wasserstofftransport umgenutzt und mehr als 500 Kilometer neue Leitungen errichtet werden. Es ist wichtig zu beachten, dass dieses Vorhaben ein eigenständiges Geschäftsfeld darstellt, das nicht dem regulierten Netzausbau zugeordnet ist und dementsprechend separat finanziert wird.